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Zecken – nur Plagegeister oder tödliche Gefahr für unsere Tiere? 
 

Es gibt viele Parasiten, die unsere Heim und Haustiere befallen können. Aber kaum ein anderer Parasit verursacht derartig viel Diskussionsstoff bei den Tierhaltern. Es besteht dabei viel Unsicherheit, teilweise übertriebene Angst oder auch falsche Informationen, die den Tierhaltern eine zielführende Entscheidung hinsichtlich einer geeigneten Vorgehens- bzw. Verhaltenseise erschwert.

Forciert wird diese Unsicherheit oftmals durch unterschiedliche Medienberichte und besonders durch Produktwerbung entsprechender Medikamente gegen die kleinen Blutsauger.

Dabei ist zu unterstellen, dass sicherlich keine gezielt falschen Aussagen veröffentlicht werden. Allerdings lassen unterschiedliche Interpretationen und aufgezeigte Notwendigkeiten spezieller Behandlungsformen Zweifel an bestimmten möglichen Therapien aufkommen. Insbesondere bei klassisch-schulmedizinischen Anwendungen bleiben mögliche Nebenwirkungen oftmals unerwähnt oder werden herunter gespielt. Es stellt sich die Frage, ob jeder Hund und jede Katze zwingend ein Spot-On Medikament gegen Zecken benötigt und dieses auch noch fast ganzjährig.

Wie sinnvoll sind derartige Medikamente, gibt es Alternativen und welches Gefahrenpotential geht überhaupt von Zecken oder aber auch von den eingesetzten Medikamenten aus?

Viele Fragen, die eine Aufarbeitung des Themas sinnvoll machen. 

 

Zecken – ein besonderer Parasit

 

Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere und werde dort zu den Milben zugeordnet. Die weltweit über 900 bekannten Zeckenarten werden drei Hauptfamilien zugeordnet. Den größten Anteil machen die Schildzecken (Ixodiadae) aus. Hier finden sich z. B. die braune Hundezecke, Igelzecke, Schafzecke, Auwaldzecke oder der gemeine Holzbock (die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart).

Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) Überträger vielen Infektionskrankheiten (Quelle: links: Wikipedia DE, Mitte: Reiner Altenkamp, Berlin, Wikipedia DE, rechts: James Lindsey at Ecology of Commanster, Wikipedia DE)

 

Von den weltweit ca. 190 Arten der Lederzecken (Argasidae) ist in Deutschland lediglich die Taubenzecke bekannt.
 

Lederzecke (Agras reflexus) im Gegensatz zu den Schildzecken besitzen Lederzecken keinen Chitinschild (Quelle: PaulT, Wikipedia DE)


Nuttalliedae, als dritte Familie, wird eine Zwischenform von Schild- und Lederzecken bezeichnet, die jedoch medizinisch keine Bedeutung hat.

 

Alle Zeckenarten gehören zu den blutsaugenden Ektoparasiten, die Menschen und Wirbeltiere als Wirt für ihre Blutmahlzeit in allen Entwicklungsphasen nutzen.

Als Spinnentier besitzen sie acht Beine, einige haben Augen, andere nicht, was aber zur Findung eines geeigneten Wirtes ohnehin unerheblich ist.

Für die Ortung eines potentiellen Opfers dienen die Tasthaare an den Beinen und insbesondere die an den Vorderbeinen befindlichen „Hallerschen Organe“, quasi die Nase der Zecken. Reagiert wird auf ein Duftstoffgemisch aus Buttersäure und Ammoniak (Schweiß) sowie Kohlendioxid (Ausatmung) von Mensch und Tier.

Je nach individuellem Mischungsverhältnis dieser Duftstoffe steigt oder fällt die Attraktivität des Opfers für eine Zecke, was erklärt, warum einige Lebewesen häufiger oder aber kaum befallen werden.

Zecken besitzen einen hochentwickelten Stechapparat welcher aus scherenartigen, mit Widerhaken versehenden Mundwerkzeugen (Cheliceren) besteht. Diese reisen die Haut des Wirtes auf, mit dem Stechrüssel(Hypostom) gräbt die Zecke dann eine Mulde, aus der sie mehrfach Blut absaugt. 


 

Beißwerkzeug des Gemeinen Holzbock (Quelle: Richard Bartz, Wikipedia DE)


Obwohl ein Zeckenstich bedeutend größer ist als z. B. der einer Stechmücke, ist er dennoch kaum spürbar. Dieses liegt daran, dass direkt beim Einstich von der Zecke Speichel in die Einstichstelle abgegeben wird. Im Speichel befindet sich ein Betäubungsmittel und Stoffe die eine Blutgerinnung verhindern. Leider können auch verschiedene Krankheitserreger enthalten sein, welche sehr schwerwiegende Erkrankungen auslösen können.

Es findet immer wieder ein Austausch von Flüssigkeiten statt, da dem aufgesaugten  Blut nur bestimmte (feste) Bestandteile zur Nahrungsaufnahme entnommen werden, überschüssige Flüssigkeiten werden über den Stechapparat wieder an den Wirt zurück gegeben, was das Infektionsrisiko enorm steigert.

Einige Zeckenarten produzieren im Laufe ihrer Blutmahlzeit(en) eine Art Klebstoff (wird als auch Zement bezeichnet) mit dem sie sich an ihren Wirt festkleben um so ein Abfallen zu verhindern. Dieses ist angesichts des Verhältnisses der enormen aufzunehmenden Blutmengen zum Körpereigengewicht (1 : 200) - aus Zeckensicht - sicherlich vorteilhaft. 


 

Vollgesogene Zecke (Quelle: Felix Fellhauer, Wikipedia DE)


 

Während männliche Zecken lediglich Blut für die eigene Ernährung benötigen, so werden bei den weiblichen Tieren größere Blutmengen für die Bildung von bis zu 3000 Eiern für den Zeckennachwuchs benötigt. Mengenmäßig besteht eine Blutmahlzeit aus ca. 0,6 ml Blut. Dieser Vorgang kann ungestört Wochen andauern. 

Mit einer vollständigen Blutmahlzeit kann eine Zecke ohne weitere Nahrungsaufnahme bis zu 10 Jahre überleben (unter Laborbedingungen), in der freien Natur werden durchschnittlich 3 – 5 Jahre Lebenszeit erreicht.

Unter sieben Grad Celsius stellen Zecken ihre Aktivitäten ein, suchen sich im Unterholz einen Überwinterungsplatz und fallen in eine Art Winterstarre. Sehr strenge Winter mit starken Frösten wirken letal, wobei der zu beobachtbare Klimawandel bzw.Erderwärmung die Ausweitung der Zeckenpopulationen in Richtung Norden nachweisbar und ursächlich bedingt.

Der Lebenszyklus von Zeckenentspricht dem aller Milben (drei Entwicklungsphasen und zwei Häutungsprozesse). 

So entsteht aus dem befruchteten Ei eine Larve (mit sechs Beinen). Aus der Larve wird eine achtbeinige Nymphe (einige Zeckenarten haben mehrere Nymphenstadien). Schließlich, in der dritten Entwicklungsphase,entsteht die erwachsene und geschlechtsreife Zecke. 

In allen Phasen wird übrigens Blut als Nahrungsgrundlage benötigt, wobei oftmals unterschiedliche Zwischenwirte je nach Größen und Wachstumsstand der Parasiten genutzt werden (z. B. kleine Nager >  Katzen >Hunde/Menschen/Großtiere).

Der bevorzugte Lebensraum für Zecken sind Waldränder, Lichtungen, Nähe von Bachverläufen und zunehmend Gärten. Unterholz, Gebüsch und Gräser zählen zu den klassischen Beuterevieren von Zecken, wo sie entweder als Lauerer (z. B. der gemeine Holzbock) auf Opfer warten, oder aktiv als Jäger (z.B. die braune Hundezecke) Opfer suchen. Da Zecken Wärme und Feuchtigkeit lieben, sind sie nach einem warmen Sommerregen besonders aktiv. 
 

Beliebte Lebensräume von Zecken (Quelle: links: günther gumbold, pixelio.de, Mitte: Regina Kaute, pixelio.de, rechts: Hans-Joachim Köhn, pixelio.de)


Durch ihre besondere und versteckte Lebensweise haben Zecken nicht viele, natürliche Feinde. Einige gibt es aber doch, hierzu zählen:

 

  • ein bodenbewohnender Pilz (Metarhizium anisopliae), der als Parasit unterschiedliche Insekten, so auch Zecken, befällt und diese tötet
  • Fadenwürmen (Nematoden),deren Befall für Zecken tödlich ist  
  • einige Vogelarten, die Zecken fressen  
  • kleine parasitische Wespen (z. B. die Erzwespe Ixodiphagus hookeri), die ihre Eier in Zecken ablegt welche dann von den späteren Larven aufgefressen werden   

 

Links: Ein durch den Pilz Metarizium anisopliae getötetes Insekt (Quelle: Chengshu Wang u. Yuxian Xia, Wikipedia DE) Rechts: Erzwespe (Ixodiphagus hookeri) ein natürlicher Feind vieler Zecken (Quelle: Oscar Vorst, Naturalis)


Gefahr durch Zecken

 

Sicherlich ist es nicht der „Blutverlust“ der eine Gefahr für Mensch und Tier im Rahmen einer Zeckenattacke darstellt. Dieses wäre selbst bei vielen, gleichzeitig saugenden Zecken nicht der Fall. 

Die Hauptgefahr liegt in der Möglichkeit der Übertragung unterschiedlicher und sehr gefährlicher Krankheitserreger (Viren, Bakterien und andere). Weiter können, wenn auch nicht lebensbedrohlich, allergische Reaktionen im Rahmen des Stiches auftreten.

Sollte sich Ihr Tier nach einem erkannten (oder vermuteten) Zeckenstich anders verhalten, Symptome zeigen (siehe unten) oder krank wirken sollte sofort ein Tiermediziner zu Rate gezogen werden, damit eine (manchmal lebensrettende) Behandlung ohne Zeitverlust eingeleitet werden kann.  

Eine erkannte Zecke sollte umgehend entfernt werden. Dieses sollte mechanisch mit einer geeigneten Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte erfolgen. Bitte die Zecke nicht mit Alkohol, Öl oder sonstigen Mitteln „vorbehandeln“. Durch den dadurch ausgelösten Stress wird das Risiko einer Übertragung mit Infektionserregern deutlich erhöht. 


 

Eine erkannte Zecke sollte umgehend entfernt werden (Quelle: losch, Wikipedia DE)

 

Geeignete Instrumente zur Zeckenentfernung

 
 

Insgesamt sind über 50 Erkrankungen bekannt, die durch Zecken bei Mensch und Tier ausgelöst werden können. Einige davon sind nur für Menschen relevant, viele treten ausgesprochen selten auf. Daher  sollen hier lediglich die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen bei unseren Tieren aufgeführt und beschrieben werden.

 

Erkrankungen durch übertragene Einzeller

 

Babesiose (Hundemalaria)

 

Die Infektion wird durch Babesien (Einzeller) ausgelöst. Die Erreger befallen die roten Blutkörperchendes Hundes in deren sie sich vermehren.

Die Infektion und Übertragung erfolgt durch die Auwaldzecke. Schätzungsweise tragen ca. 0,5 % dieser Zeckenart die Babesiose-Erreger. Eine Übertragung, wenn auch ungleich seltener kann ebenfalls durch die Braune Hundezecke erfolgen.

Nach einem infektiösen Zeckenstich setzt nach ca. 1 bis 3 Wochen hohes Fieber (bis zu 42°C) ein. Durch die Zerstörung und den nachfolgenden Abbau der roten Blutkörperchen färbt sich der Urin oft dunkelbraun. 

Besonders in der akuten Phase führt die Babesiose häufig zum Tod des Tieres. Sind die ersten starken Fieberschübe überstanden, folgen Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und häufig Gelbsucht. 

Als Folge einer akuten Babesiose kann es zu dem zu Blutarmut und Nierenversagen kommen. Diese Symptome ähneln der Malaria beim Menschen, daher wird diese Infektion auch umgangssprachlich als Hundemalaria bezeichnet.

Es können auch entzündliche Veränderungen der Augen sowie Netzhautablösungen auftreten. Im weiteren Verlauf kann das Zentralnervensystem geschädigt werden. Dann können Bewegungsstörungen und epileptische Anfälle auftreten. 

 

Babesien innerhalb roter Blutkörperchen, erkennbar als rote Flecken


Hepatozoonose

 

Auch diese Erkrankung wird durch Einzeller (Hepatozoon canis) ausgelöst. Bei einem gesunden und starken Immunsystem kommt es meist nicht zum Ausbruch der Erkrankung und die Infektion bleibt symptomlos. Anders aber bei vorgeschädigtem Immunsystem oder bei einer parallelen Infektion mit anderen Infektionserregern (z. B. Ehrlichiose, Babesiose).

Befallen werden durch den Erreger Leber, Niere, Milz, Knochenmark, Lymphknoten sowie die weißen Blutkörperchen.

Der Erreger wird durch die Braune Hundezecke übertragen, wobei jedoch nicht der Stich für die Übertragung verantwortlich ist. Vielmehr erfolgt die Infektion durch Verschlucken der infizierten Zecke (z. B. im Rahmen der Fellpflege durch den Hund).

Über den Darm gelangen dann die Erreger in den Blutkreislauf und in die oben beschriebenen Zielorgane.

Je nachdem welches Zielorgan betroffen ist zeigen sich unterschiedliche Symptome.

So können blutiger Durchfall, Abmagerung, Muskelschwäche, Fieber, Blutarmut, Nasen- und Augenausfluß, Lymphknotenschwellungen oder auch ein sichtbar steifer Gang auftreten. Ein letaler Ausgang tritt bei sehr starken Infektionen aufgrund der massiven Organschädigungen ein.

 

Erkrankungen durch übertragene Bakterien


Borreliose

 

Die wohl bekannteste Infektion durch einen Zeckenstich. Infektionserreger sind Borrelia-Bakterien aus der Gruppe der Spirochäten. Die Bakterien breiten sich nach dem Zeckenstich über den Blutkreislauf im gesamten Körper des Tieres aus und können Organe, Gelenke und das Nervensystem befallen.

Borreliose wird durch den Gemeinen Holzbock übertragen. Man schätzt, dass ca. 3 % der Zeckenlarven, 7 % der Zeckennymphen und 15 % der erwachsenen Zecken diese Erkrankung übertragen können. Gebietsweise können jedoch auch deutlich höhere Zeckenpopulationen (biszu 50 %) Träger dieser Bakterien sein.

Obwohl Infektionen meist symptomlos verlaufen, so können vereinzelt  Fieber, Appetit- und Teilnahmslosigkeit auftreten. In einigen wenigen Fällen kommt es allerdings zur Ausbildung einer „Lyme-Arthropathie“, (eine mit Lahmheit einhergehende Arthritis der Gelenke). Im weiteren Verlauf der Borreliose treten schubweise wiederkehrenden Lahmheiten mit Phasen der Besserung auf, die Erkrankung wird oft chronisch. Im späten Stadium kann es zu Schädigungen der Nieren und des Herzens kommen.


 

Wanderröte bei einem Menschen als Folge eines Zeckenstiches mit Borrelioseinfektion (Quelle: Jost Jahn, Wikipedia DE)


Anaplasmose

 

Infektionserreger sind Anaplasma-Bakterien. Die Erreger befallen bestimmte weiße Blutkörperchen (Granulozyten), die wichtiger Bestandteil des Immunsystems sind, und in denen sich die Bakterien auch vermehren. Sie sind eng verwandt mit den bakteriellen Erregern der Ehrlichiose. Eine andere Unterform derAnaplasma-Bakterien befallen die Thrombozyten (Blutplättchen).

Als Wirt dieser Bakterien wird der Gemeine Holzbock aufgeführt, wobei parallel auch Borreliose-Erreger übertragen werden können. Dies erschwert die Zuordnung der beobachteten Krankheitssymptome.

Schätzungsweise tragen ca. 1 bis 4 % der aufgeführten Zeckenart diese Bakterien.

Nach 1 – 2 Wochen nach einen infektiösen Zeckenstich kommt es häufig zu hohem Fieber (>39°C) und Schläfrigkeit. Da die Anaplasmose für gewöhnlich unspezifisch verläuft, sind dieses vereinzelt die einzigen Krankheitsanzeichen. Weiterhin können Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Durchfall,Erbrechen, manchmal auch Blutungen und Lahmheit als Folge von Gelenkentzündungen bei erkrankten Tieren beobachtet werden. Einige Tiere entwickeln auch Nervenerkrankungen. Die Infektion verläuft in der Regel nicht chronisch, kann aber erneut auftauchen, wenn das Immunsystem in den Monaten nach der Infektion geschwächt ist bzw. bleibt.

 

Ehrlichiose

 

Diese Erkrankung bei Hunden wird durch die Bakterienart Ehrlichia canis aus der Gruppe der Rickettsien ausgelöst.  Das Bakterium befällt die Monozyten (weißen Blutkörperchen) und Lymphozyten des Hundes, welche eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen, und vermehrt sich ebenfalls in diesen Zellen.

Als Überträger dieser Bakterien gilt die Braune Hundezecke. Die Erkrankung Ehrlichiose beginnt meistens schleichend, es kann vereinzelt Jahre dauern bis die eigentliche Krankheit ausbricht. Das Krankheitsbild zeigt sich durch Leistungsschwäche, Mattigkeit und Futterverweigerung. 

Im weiteren Verlauf kann  häufiges Nasenbluten oder Blutungen in den Schleimhäuten bzw. auf der Haut beobachtet werden. Ferner kann Blut im Urin oder Kot, blutiger Auswurf beim Husten, Blutergüsse in den Gelenken auftreten. Auch hohes Fieber und Schwellung der Lymphknoten können sich einstellen. Unbehandelt wird diese Erkrankung meist chronisch und führt dann im Zeitverlauf durch Zunahme von Schwäche, Gewichtsverlust, immer wiederkehrendes Fieber und ständigem Blutverlust zum Tode.

 

Erkrankungen durch übertragene Viren

 

FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis

 

Der Erreger ist ein Virus, das so genannte Europäische Zeckenenzephalitisvirus aus der Gruppe der Flaviviren. Das FSME-Virus wird durch den Gemeinen Holzbock übertragen, in dessen Speicheldrüsen es sich aufhält. Die Zahl infizierter Zecken die diese Krankheit übertragen können liegt bei ca. 1 bis 4 % (Schätzung).

Unbehandelt kann eine ausgebrochene Erkrankung tödlich. verlaufen. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und folgende Ausprägungen zeigen: 

Mattigkeit/Abgeschlagenheit, Beeinträchtigungen des Bewusstseins (Apathie oder Übererregbarkeit und Schreckhaftigkeit), Zuckungen, Ataxie, Lähmungserscheinungen der Vorder- und Hintergliedmaßen, Hyperalgesie (gesteigertes Schmerzempfinden), Kopftief- oder 

-schiefhaltung, Hyporeflexie (Herabsetzung der Reflexerregbarkeit) bis hin zu Störungen des Nervensystems, Fieber, Krampfanfällen.

Die Infektion kann allerdings auch mit wenig ausgeprägten Symptomen ablaufen und ggf. sogar unerkannt bleiben. Viele Hunde scheinen glücklicherweise gegen diese Infektionskrankheit recht unempfindlich zu sein. 

 

Andere Erkrankungen durch Zecken

 

Zeckenparalyse

 

Das Speichelsekret von Zecken enthält Nervengifte, um das Gewebe beim Zeckenstich zu betäuben. In ungünstigen Fällen (z. B. wenn das Immunsystem des Opfers bereits vorgeschädigt oder eingeschränkt ist) kann dieses Nervengift eine lähmende Wirkung haben und zur Paralyse (vollständige Lähmung der motorischen Nerven eines Körperteils) führen. Leider ist nicht bekannt, welche Faktoren die Ausbildung giftigen Zeckenspeichels beeinflussen, aber es ist möglich, wenngleich eher selten.

Die Symptome beginnen meisterst einige Tage, nachdem sich eine Zecke festgesetzt hat.

Anfänglich ist eine allgemeine Schlaffheit zu beobachten, die später in eine Lähmung der hinteren Gliedmaßen übergeht. Innerhalb der nächsten 2 bis 3 Tagen folgt die komplette Lähmung der Beine. Im ungünstigsten Fall kann eine Lähmung der Atemmuskulatur einsetzen, welche durch massive Atembeschwerden deutlich wird. Der Tod kann dann innerhalb weniger Tage eintreten.

Meist tritt eine Verbesserung der Symptome nach Entfernung der giftigen Zecke schnell ein, daher ist es wichtig rechtzeitig bei erkennbaren Symptomen zu reagieren. 

 

Mögliche Schutzmaßnahmen

 

Die Wahl von geeigneten Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig und sollte sorgfältig in Zusammenarbeit mit einem Tiermediziner erfolgen. Nicht jedes angepriesene Produkt im Tiershop oder Internet ist sinnvoll oder individuell geeignet. 

Auch sollte eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko der jeweiligen Schutzmaßnahme erfolgen und ob überhaupt Maßnahmen erforderlich sind, was natürlich wieder von individuellen Gegebenheiten abhängig ist.

Bei der Wahl geeigneter Maßnahmen oder Mittel sollte jedoch folgendes berücksichtigt werden. Die Problematik bei einem Zeckenbiss besteht nicht aus dem Blutverlust (eine Blutmahlzeit beinhaltet lediglich 0,6 ml Blut) sondern aus dem Risiko, dass Infektionserreger übertragen werden können. Die Chance, dass ein Hund oder Katze zweimal von der gleichen Zecke gestochen wird ist aus den oben aufgeführten Ausführungen sehr unwahrscheinlich. Insofern wären effiziente Maßnahmen eine Infektionserkrankung zu vermeiden dann gegeben, wenn Zecken erst gar nicht ihren problematischen Stich setzen könnten.

 

Klassische schulmedizinische Maßnahmen

 

Den größten Anteil machen wohl die unterschiedlichen Spot-On-Präparate aus, welche als Zeckenprophylaxe eingesetzt werden. Über die Haut (Nackenbereich) wird dem Haustier Gift (Fipronil, Permethrin) verabreicht, was sich dann im Blut über den gesamten Organismus verteilt. 


 

Spot-On, hier Frontline von Merial, enthält Fipronil

 

Exspot enthält Permethrin und darf unter keinen Umständen Katzen gegeben werden


Nimmt ein blutsaugender Parasit (z. B. Zecken) dieses Blut auf sterben sie je nach Produkt und „Giftigkeit“ sehr rasch. In aller Regel wird bei diesen Produkten die teilweise sehr massiven Nebenwirkungen heruntergespielt oder verharmlost, die Mittel werden als sehr verträglich und als „bewährt“ beschrieben. Wenn dieses generell so wäre stellt sich die Frage, warum diese „harmlosen Mittelchen“ nicht bei Menschen zur Parasitenbekämpfung z. B. in Entwicklungsländern eingesetzt werden – doch zu risikoreich?  

In den Beipackzetteln derartiger Medikamente wird - kleingeschrieben – oft aufgeführt, dass junge, trächtige, laktierende Tiere nicht behandelt werden dürfen.

Oftmals werden ganze Tiergruppen (z. B. Katzen oder Nager) ebenfalls ausgeschlossen, da die Medikamente weitreichende Schädigungen auslösen können. Fast immer wird auf die Möglichkeit von Hautirritationen, Haarausfall und Juckreiz hingewiesen.

Öfters werden Speicheln, Muskelzittern, Verwirrtheit, flache Atmung, Fieber, Erbrechen und Schockzustände, Parästhesien und asthmatische Zustände nach Gabe eines Spot-On-Medikamentes gemeldet.

Verwirrend sind auch Hinweise, die ein nicht-medizinisch ausgebildeter Mensch gar nicht beurteilen kann. Da wird von makrozyklischen Lactonen gesprochen, die reversible neurologische Ausfallerscheinungen erzeugen kann (gemeint ist, dass die verabreichten Giftstoffe Ausfallerscheinungen im Nervensystem erzeugen können, die umkehrbar bzw. heilbar sind (Anmerk. „hoffentlich“)).

Einige Medikamente haben trotz des hohen Risikos der Nebenwirkungen eine geringe, in einigen Fällen gar keine Wirkungsweise. Der größte Nachteil ist jedoch, dass für die Tötung einer Zecke diese zunächst das vergiftete Blut aufnehmen muss.

Dabei kann jedoch eine Infizierung bereits stattgefunden haben. Es wird somit lediglich verhindert, dass weitere Blutmahlzeiten einer Zecke stattfinden.

 

Ähnliches gilt für entsprechende Halsbänder. Die aufgebrachten Wirkstoffe (z. B. Deltamethrin, Dimpylat, Flumethrin etc.) verteilen sich auf der Haut bzw. im Fettgewebe. Allerdings werden sie auch ständig über die Atemwege aufgenommen. Ähnlich wie bei den Spot-On-Produkten können sie auch massive negative Nebenwirkungen erzeugen, u. a. Bronchialerkrankungen, Leberschäden, Ekzeme, Allergien u. a. Die prophylaktische Wirkungsweise scheint etwas besser als bei den Spot-On-Produkten zu sein, wobei es jedoch auch Meldungen hinsichtlich einer vollständigen Wirkungslosigkeit bestimmter Halsbänder gibt.

Wenn derartige Halsbänder (ohnehin meist nur bei Hunden anwendbar) eingesetzt werden sollen, dann sollte man ausschließlich auf bekannte Markenprodukte (z. B. Scalibor, Seresto etc.) von großen Herstellern zurück greifen. Hier sollte dann zumindest sichergestellt sein, dass die aufgebrachten Medikamente richtig dosiert sind und nicht durch eine Überdosierung das Risiko der Nebenwirkungen nochmals erhöht wird.

 

Schutzhalsbänder müssen individuell angepasst, und dürfen nicht zu eng angelegt werden


Bei beiden Verfahren (Spot-On, oder Halsbänder) sollten die angegebenen Sicherheitshinweise (z. B. Anwendung nur im Freien, Schutzhandschuhe, kein Augenkontakt, Säuglinge und Kleinkinder für bestimmte Zeit fernhalten etc.) unbedingt beachtet werden – es handelt sich ja schließlich um Giftstoffe.

Ebenfalls sollte bedacht werden, dass einige (Gift-) Medikamente im Verdacht stehen Krebs auszulösen.

Eine besondere Vorsicht gilt bei folgenden Hunderassen, die empfindlich auf eingesetzte Giftstoffe reagieren können und wo auch schon von letalen Reaktionen berichtet wurde:

Collies und Collie-Mix / Shelties / Bobtails / Australischer Schäfer / Shetland Sheepdogs und artverwandte Rassen. 

 

Alternative Maßnahmen

 

Aus den o. a. Problemen bei Verwendung von Giftstoffen, sowie den meist nicht ausreichenden Wirkungsweisen stellt sich die Frage ob es nicht andere Schutzmaßnahmen gibt. Auch sollte darüber nachgedacht werden inwieweit das Verhältnis Risiko eines Zeckenstiches zum Risiko eines Giftmedikamenteneinsatzes aufgestellt ist.

Ein sinnvoller Schutz wäre dann gegeben, wenn Zecken Ihr Tier erst gar nicht als potentielles Opfer erkennen und definieren würden, also ein Stich erst gar nicht vollzogen werden würde. Aus der Vorgehensweise der Zecken wissen wir, dass sie ihre Opfer über eine bestimmte Duftstoffkombination auswählen und finden. 

Wenn es also möglich wäre,diese Duftstoffkombination moderat so zu verändern, dass sie für Zecken unattraktiv wird, wäre eine Lösung des Problems gefunden.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass es eine Bandbreite von Duftstoffkombinationen, individuell je nach einzelnem Tier gibt. 

Einige Tiere liegen da im unteren Bereich und sind somit „duftmässig“ relativ unattraktiv für Zecken (diese Tiere zeigen meist einen geringen Zeckenbefall), andere erzeugen eine Duftkombination die nahezu unwiderstehlich auf Zecken wirken (diese Tiere zeigen häufigen Zeckenbefall).

In der Naturmedizin werden unterschiedliche Mittel eingesetzt, um diese Duftkombination so zu verändern, dass sie für Zecken unattraktiv wird. Insbesondere bieten Medikamente aus der Homöopathie, Traditionelle Chinesisches Medizin, Phytotherapie, oder auch energetisch wirkende Maßnahmen die Chance, auf belastende Giftmedikamente zu verzichten. 

Leider gibt es nicht „das/die“ wirksame alternative Medikament oder Maßnahme, hier müssen individuelle Lösungen bzw. Kombinationen von Maßnahmen gefunden werden. Ziel dabei sollte immer sein, neben einem wirksamen Schutz, keine belastenden Nebenwirkungen zu generieren.

Dieses ist bei manchen „Eigenlösungen“ leider nicht immer gegeben. So können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, welche "geruchswirksam" eingesetzt werden auch eine schädliche Wirkung zeigen (z. B. Knoblauch oder bestimmte Kräuter). Auch aufgetragene Duftstoffe (meist ätherische Öle, z. B. Teebaumöl, Lavendel etc.) können eine schädigende Wirkung haben und sollten bei einigen Tierarten (z. B. Katzen) grundsätzlich nicht angewendet werden.  

Gemeinsam mit Ihrem Tiermediziner sollten Sie sich der Herausforderung, eine optimale Lösung für Ihr Tier zu finden, stellen und so einen bestmöglichen Schutz bei Beibehaltung einer guten Gesundheit zu gewährleisten.

 

Wir finden jede Zecke!


Bei Fragen zur Thema Zecken bzw. möglicher Schutzmaßnahmen können Sie uns gerne ansprechen.

 

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Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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