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Die Schilddrüse Teil 1 - Steuerungsorgan mit großer Wirkung

Allgemeine Informationen

 

Früher oft unbeachtet so erfüllt die doch relativ kleine Schilddrüse existenzielle Funktionen, ohne die ein Leben nicht möglich wäre. Funktionsstörungen, gleich welcher Art, haben unerkannt und unbehandelt fatale Folgen mit meist mortalen Ausgang.

Grundsätzlich können dabei alle Haus- und Heimtiere eine Funktionsstörung der Schilddrüse entwickeln. Hormonstörungen aufgrund Schilddrüsenerkrankungen gelten heute neben dem Diabetes mellitus zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen. Da dieses Thema recht komplex ist soll dieser erste Teil allgemeine Informationen zum Thema geben. Im Teil 2 wird speziell die Unterfunktion (Hypothyreose), im Teil 3 die Überfunktion (Hyperthyreose) behandelt.

 

Einführung

 

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) gehört zu der Gruppe der endokrinen Hormondrüsen, die bei alle Landwirbeltiere (wie auch bei Menschen) ein kompaktes Organ bildet. Bei Menschen und den meisten Säugetieren besteht die Schilddrüse aus zwei Lappen, die bei den meisten Lebewesen miteinander verbunden sind. Sie liegen am Hals unterhalb vor der Luftröhre.

 

Bei Menschen und den meisten Säugetieren bildet die Schilddrüse ein kompaktes Organ, welches meist aus zwei Lappen besteht (Quelle: Physiologie, Bartels/Bartels, Verlag Urban & Schwarzenberg)


Bei Vögeln hingegen liegen die Schilddrüsen in Form kleiner Knötchen an der Luftröhre weiter hinten am Brusteingang.

 

Kleine Knötchen bilden bei Vögeln die Schilddrüsen (Quelle: F.Heese/pixelio.de)


Reptilien verfügen über eine unpaarige Schilddrüse, bei Knorpelfischen (z. B. Haie oder Rochen) liegt die scheibenförmige Schilddrüse im Unterkiefer, alle vielen anderen Fischarten (Knochenfische) haben keine kompakte Schilddrüse sondern sog. Zellhaufen die im Bereich der Kiemen sitzen. 

 

Auch bei Reptilien und Haien unterscheiden sich die Schilddrüsen von denen vieler Säugetiere (Quelle: links: Sandra Hassinger/pixelio.de, rechts: Kurt Bouda/pixelio.de)


Anders als beim Menschen lässt sich eine gesunde (nicht vergrößerte) Schilddrüse bei Tieren meist nicht durch Palpation (Ertasten) bestimmen. Die Struktur des Schilddrüsengewebes besteht aus mikroskopisch kleinen Bläschen (Schilddrüsenfollikel). Zwischen den Zellen der Schilddrüse befindet sich Gewebsflüssigkeit die über das Lymphsystem abgeführt wird. 

 

Funktionen und Wirkungsweise der Schilddrüse

 

Die Hauptfunktionen der Schilddrüse bestehen aus der Jodspeicherung und Produktion von den jodhaltigen Hormonen  Tryroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Sowied es Peptidhormons Calcitonin. Die Schilddrüsenhormone werden in den Thyreozyten (Follikelepithelzellen der Schilddrüse) gebildet. Zur Speicherung im Kolloid der Drüse werden die Hormone an Globuline gebunden (Thyreoglobuline) damit eine bedarfsgerechte spätere Freigabe sichergestellt ist.

Die Regelung der T3 und T4 Hormone (bei normaler, gesunder Funktion) geschieht in folgender Weise (vereinfachte Darstellung). Sinkt der Thyroxinspiegel im Blutplasma wird durch den Hypothalamus (ein Abschnitt des Zwischenhirns) das Hormon TRH (Thyreotropin Realeasing Hormon) an den Drüsenanteil der Hypophyse (Hirnanhangdrüse oder Glandula pituitaria) abgegeben. Hier erfolgt die Ausschüttung des Hormons TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) welches dann die Schilddrüse zur Freisetzung ihrer Hormone stimuliert. Somit sind die Schilddrüsenhormone fester Bestandteil des thyreotropen Regelkreises.

 

Darüber hinaus wird in den C-Zellen (parafollikulären Zellen) der Schilddrüse Calcitonin gebildet, was dem Knochenabbau entgegen wirkt und so die Verminderung der Knochensubstanz verhindert.

 

Hormone sind Botenstoffe, daher haben Schilddrüsenhormone Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel, auf viele Organfunktionen, Herzfrequenz, Blutdruck, Darmmotorik, Körpertemperatur, Haut-, Haarstruktur, Nervenfunktion, Libido  und vieles mehr.

 

Die nachfolgende Übersicht zeigt die vielfältigen Wirkungsweisen und Einflussweisen der Schilddrüsenhormone: 

 

  • Erhöhung/Verminderung der Herzfrequenz und Puls
  • Erhöhung/Verminderung des Blutdrucks
  • Erweiterung von Gefäßen
  • Erhöhung der Sauerstoffzufuhr
  • Einfluss auf Zucker- Fett- und Bindegewebestoffwechsel
  • Einfluss auf Appetit und Körpergewicht (Ab- bzw. –zunahme)
  • Unterstützung des Eiweißaufbaues in den Muskeln
  • Einfluss auf die Aktivität von Schweiß- und Talgdrüsen der Haut
  • Steigerung/Verminderung der Darmperistaltik (Darmmotorik) und Resorption der Nährstoffe (Durchfälle/Verstopfungen)
  • Steigerung/Verminderung der Erregbarkeit von Nervenzellen
  • Steigerung/Verminderung des körpereigenen Energieverbrauches
  • Steigerung/Verminderung der Körpertemperatur
  • Regulierung des Wachstums von Neugeborenen, hier insbesondere Nervenzellen und Gehirn
  • Hemmt den Knochenabbau
  • Einflussnahme auf die Psyche (lebhaft/träge –unruhig/schläfrig)
  • Einfluss auf die Haut- und Fellstruktur durch Bildung hierfür notwendiger Stoffe z. B. Kollagen
  • Wirkung auf blutbildende Zellen und somit auf alle Arten der Blutkörperchen
  • Einfluss auf die Fruchtbarkeit und Libido  

Eine Besonderheit der Funktionswirkung der Hormone T3 und T4 gibt es bei Amphibien.

Dort kontrollieren sie im Rahmen der ontogenetischen Entwicklung die Metamorphose, so dass sich z. B.  aus einer Kaulquappe ein Frosch entwickeln kann.

 

Metamorphose - von der Kaulquappe zum Frosch - ohne die Schilddrüsenhormone T3 und T4 nicht möglich (Quelle: PeeF/pixelio.de, rechts: Alexandra H./pixelio.de)


Bei Vögeln erfolgt hierüber die hormonelle Steuerung der Mauser und notwendige Erneuerung des Gefieders. 

 

Mauser bei Vögeln - ohne Schilddrüsenhormone keine Erneuerung des Gefieders (Quelle: Ziervögel, Angelika Wedel, Paray Verlag)


Erkrankungen der Schilddrüse (Thyreopathien)

 

Erkrankungen der Schilddrüse verlaufen meist schleichend und werden daher i. d. R. erst spät entdeckt. Auch kann eine, über längere Zeit unentdeckte Erkrankung der Schilddrüse zu einer weiteren oder anderen Erkrankung dieses Organs führen. Daher sollten bereits erste Anzeichen oder Verdachtsmomente unverzüglich mit einem Tiermediziner (Tierheilpraktiker oder Tierarzt) besprochen werden. Die nachfolgend aufgezeigten Erkrankungen der Schilddrüse treten sehr unterschiedlich auf, d. h. nicht alle Erkrankungen haben die gleiche Relevanz für unsere Haus- und Heimtiere und werden daher auch unterschiedlich intensiv beschrieben.

 

Struma (Kropfbildung)

 

Hierbei handelt es sich um eine nicht entzündliche Vergrößerung der Schilddrüse. Diese kann durch eine erblich bedingte mangelhafte Aufnahme von Jod, also unzureichende Jodverwertung bzw. Hormonsynthese ausgelöst werden. Meist liegt jedoch eine ernährungsbedingte unzureichende Jodversorgung vor, die vor vielen Jahren im süddeutschen Raum bei Menschen für die Kropfbildung sorgte. 

Dieses ist mittlerweile durch den durchgängigen Einsatz von jodiertem Salz und intensiver Aufklärung nahezu verschwunden. Auch die früher häufige Kropfbildung bei Vögeln konnte durch entsprechendes angereichertes Futter verhindert werden. Die Medizin kennt zwei Ausprägungsformen der Umfangsvermehrung, kalte und heiße Knoten. Bei einem kalten Knoten handelt es sich um überlastete Zellen, die ihre Funktion eingestellt haben und keine Hormone mehr produzieren. Die Problematik kann dabei darin bestehen, dass durch ein vermehrtes Zellwachstum bösartige Zellverbindungen (Tumore) entstehen, sowie durch die oft massive Umfangsvermehrung Schluck- und Atembeschwerden auftreten können.

Bei der Zubildung von sog. heißen Knoten hingegen entsteht der Effekt, dass unkontrolliert und autonom (also vom Gehirn ungesteuert) Schilddrüsenhormone produziert werden. 

 

Autoimmunbedingte Schilddrüsenerkrankung (autoimmune Thyreoiditis)

 

Hierbei werden Auto-Antikörper gebildet, welche die Schilddrüse übermäßig stimulieren bzw. hemmen. Diese Art der Erkrankungen ist bei Tieren noch unerforscht, man vermutet aber, dass sie bei Tieren nicht auftritt.

 

Schilddrüsenhormonresistenz

 

Bei dieser Erkrankung werden ausreichend Schilddrüsenhormone produziert, welche jedoch keine Wirkungsweise auf die Körperzellen zeigen.  Auch hier gibt es keine Forschungs-ergebnisse bzw. gesicherte Hinweise, dass diese Form der Erkrankung bei Tieren auftreten kann bzw. möglich ist.

 

Thyreoiditis (Entzündung der Schilddrüse)

 

Bei unseren Haus- und Heimtieren sind lediglich kurz andauernde Entzündungen der Schilddrüse bekannt. Chronische Verläufe (Hashimoto, Morbus Basedow) sind daher nur bei Menschen bekannt. Entzündungen der Schilddrüse entstehen i.d.R. durch Bakterieninfektionen, meist ursächlich aus dem Hals-, Nasen- oder Ohrenbereich. Entzündungen können Auslöser für nachgelagerte Erkrankungen der Schilddrüse sein.

 

Schilddrüsenmalignome

 

Bösartige Schilddrüsentumore sind bei Haus- und Heimtiere möglich, jedoch äußerst selten.

Wenn sie auftreten, entdeckt bzw. diagnostiziert werden ist die Prognose meist sehr schlecht, da durch den intensiven Austausch der Gewebeflüssigkeit zwischen den Zellen der Schilddrüse eine rasche Streuung von Metastasen erfolgt.

 

Schilddrüsendysfunktion

 

Die normale Funktion der Schilddrüse ist hierbei gestört. Diese bei Haus- und Heimtieren häufigste Erkrankung der Schilddrüse hat zwei Ausprägungsformen.

Bei der Unterfunktion (Hypothyreose) werden zu wenige Schilddrüsenhormone produziert,

alle betroffenen Vorgänge verlangsamen sich. Hierfür können ursächlich eine Thyreoiditis, eine autoimmune Thyreoiditis, oder auch durch den Einsatz bestimmter Medikamente sein.

Im Teil zwei wird speziell auf diese häufige Form der Schilddrüsenerkrankung eingegangen, die vergleichsweise deutlich mehr bei Hunden als bei Katzen auftritt. 
 

Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), von dieser Erkrankung sind deutlich mehr Hunde als Katzen betroffen. Gewichtszunahme und abnehmende Aktivität können ein Hinweis sein (Quelle: Helmut J.Salzer/pixelio.de)

 

Umgekehrt ist es bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), hier werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert, viele Körperprozesse werden deutlich beschleunigt, erkrankte Tiere stehen meist ständig „unter Strom“, die Organe werden pausenlos auf Hochtouren getrieben. Ursache sind häufig gutartige Schilddrüsentumore, die zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen und hierdurch eine verstärkte Hormonproduktion einhergeht.

 

Anders als bei der Hypothyreose erkranken deutlich mehr Katzen an einer Hyperthyreose. Auf diese Erkrankung wird im Teil 3 näher eingegangen. 

 

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eine Erkrankung meist bei Katzen. Erhöhte Herzfrequenz, Unruhe und schließlich starke Abmagerung trotz erhöhter Nahrungsaufnahme sind u. a. deutliche Symptome dieser Erkrankung (Quelle: Alexandra Rascheff/pixelio.de)


Weitere Informationen finden Sie demnächst im Teil 2 (Hypothyreose) und im Teil 3 (Hyperthyreose).

Bei Fragen zum Themenkomplex Schilddrüse können Sie uns gerne ansprechen.

 

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