Informationen und Service für interessierte Tierhalter


 Medikamenteneingabe bei Haus-und Heimtieren

- oder wie bekomme ich die Tablette in meinen Liebling?


Bei den meisten Erkrankungen unserer Haus- und Heimtieren besteht die Notwendigkeit, dass über einen definierten Zeitraum Medikamente verabreicht werden müssen. 

Bei Injektionen wird dieses sicherlich durch den Tiermediziner geschehen, insbesondere wenn es sich nicht um die recht einfach zu gebende subkutane (sc) Injektion handelt, die ja auch von Nichtmedizinern, nach erfolgter kurzer Anleitung, dem Tier unter die Haut injiziert werden kann. 

 

Erforderliche Injektionen verabreicht fachgerecht der Tiermediziner


Aber die täglich oft erforderlichen mehrfachen Gaben von Tabletten, Globuli, Dragees, Triturationen, Pulver, Dilutionen, Emulsionen, Tinkturen, Trinkampullen etc. müssen i.d.R. vom Tierhalter verabreicht werden. 

Hierbei können unterschiedliche Probleme auftreten oder Fehler gemacht werden, die letztendlich den angestrebten Therapieerfolg beeinträchtigen oder auch verhindern können.

 

Die Eingabe von Globuli, Tabletten etc. kann einen Tierhalter vor Probleme stellen (Quelle: links, Dr. Leonora Schwarz, pixelio.de, rechts, Wilhelmine Wulff, pixelio.de)


Insbesondere bei einem erforderlichen, längerfristigen Medikamenteneinsatz, wie es bei vielen naturmedizinischen Therapien notwendig ist, sollten bestimmte Regeln bzw.Erfordernisse wie ein Medikament zu geben ist bekannt sein. 

Auch sollten alternative Eingabestrategien bestehen, da die Kooperationsbereitschaft des Patienten sehr unterschiedlich sein, oder sich im Zeitverlauf auch ändern kann.

Die Verabreichung erforderlicher Medikamente unter größtem Zwang verursacht für alle Beteiligten großen Stress und lässt sich über einen längeren Zeitraum kaum sicherstellen. Die dann meist daraus resultierende Konsequenz, auf die Medikamentengabe zu verzichten, verhindert eine Genesung und kann, je nach Art der Erkrankung zu fatalen Entwicklungen führen. 

 

Stress bei der Eingabe von Medikamenten sollte vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden


 

Der nachfolgende Beitrag soll daher dem interessierten Tierhalter Informationen, Vorgehensweisen und Handlungsempfehlungen geben, damit die Medikamentenversorgung des eigenen Haustieres klappt und ein Heilungsprozess erfolgen kann.

 

1. Art bzw. Besonderheit des Medikamentes

 

Die Art des Medikamentes ist oftmals entscheidend, wie das Medikament appliziert werden kann bzw. muss. So sollten Homöopathika oder auch Biochemische Medikamente (z. B. Schüssler Salze) über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.  


 

Homöopathika und Biochemische Medikamente sollten über die Mundschleimhaut aufgenommen werden


Insofern wäre eine Vergabeform, wo das Medikament (z. B. versteckt in Futtermitteln) schnell herunter geschluckt würde nicht optimal bzw. ungeeignet.

Andere Medikamente, die erst im Darm ihre Wirkungsweise entfalten sollen (z. B. TCM-Medikamente, Medikamente aus der Phytotherapie und auch viele schulmedizinische Mittel) können hingegen meist sehr gut zusammen mit Futtermitteln gegeben werden. 

Einige Medikamente (z. B. ummantelte Tabletten oder Dragees) dürfen nicht zerkleinert bzw. beschädigt werden, da ihre Wirkstoffe, bereits im Magen freigesetzt, unter Umständen zerstört würden oder aber auch belastend für den Magen sein könnten.  


 

Viele ummantelte Tabletten oder Kapseln dürfen nicht geteilt oder zerkleinert werden


Auch sollte der Geschmack des Medikamentes Berücksichtigung bei der Art der Verabreichung finden. Einige Mittel werden geschmacktechnisch von einigen Tieren nicht gerne genommen bzw. verweigert. 

Insbesondere bei etwas bitteren Medikamenten (wie z. B. Uncaria tomentosa – Katzenkralle) kann dieses zu Probleme führen. Hier wäre eine Vermischung mit einem, dem Tier gut schmeckenden Trägerstoffen (Soßen, Pasten, Jogurt, Hüttenkäse u.v.m.) sinnvoll.  
 

Medikamente mit einem intensiven Eigengeschmack sollten mit einem gut schmeckenden Trägerstoff vermischt werden


Gleiches gilt auch z. B. für Mittel, welche Propolis  enthalten – auch diese werden von einigen Tieren nicht gerne genommen und können daher mit Wasser verdünnt oder mit anderen Stoffen gemischt werden.

Es gibt auch Medikamente, die unbedingt pur und unverdünnt (weder mit Wasser noch mit Futtermittel) gegeben werden müssen (z. B. Kolloidales Silber).  


 

Einige Medikamente (z. B. Kolloidales Silber) sollten pur und unverdünnt verabreicht werden


2. Zeitpunkt der Medikamentengabe


Durch Ihren Therapeuten, welcher Ihnen das erforderliche Medikament verordnet hat, wissen Sie wie oft eine Verabreichung erfolgen muss. Daran sollten Sie sich halten und bei Unklarheiten dieses mit Ihrem Tiermediziner abklären. 

Einige Medikamente müssen auf nüchternen Magen (z. B. Kolloidales Silber) gegeben werden, andere nach der Futteraufnahme, bei anderen ist der Einnahme-Zeitpunkt unerheblich. 

In Anlehnung einer ganzheitlichen Gesundheitslehre oder auch fernöstlicher Heillehre kann bei bestimmten Erkrankungen die Berücksichtigung der Aktivitätszeiträume bestimmter Organe (gemäß Organuhr) für den Zeitpunkt der Verabreichung von Medikamenten sinnvoll sein. Ein entsprechend spezialisierter Therapeut wird Ihnen dann die optimalen Zeiträume für die Medikamenteneingaben aufzeigen. 


 

Die Organuhr zeigt die zeitlichen Hauptaktivitäten einzelner Organe an, bei bestimmten Erkrankungen bzw. Medikamenten sollte dieses Berücksichtigung finden


Bis auf wenige Ausnahmen ist eine mal zeitlich abweichende Vergabe sicherlich nicht problematisch, sollte aber die Ausnahme bleiben, wobei vergessene Einnahmen nicht mit nachgelagerten Einnahmen addiert gegeben werden dürfen.

 

Eine gängige Kennzeichnung hinsichtlich Eingabemenge und -zeiten ist wie folgt:

 

1 -  0  - 1 bedeutet z. B. bei Verabreichung von Tabletten: > eine Tablette morgens,

> mittags keine Tablette, > eine Tablette abends.

oder

5 – 5 – 5 – 5 bedeutet z. B. bei Verabreichung von Globuli: > 5 Stück morgens, mittags, nachmittags und abends 

 

3. Eingabe verschiedener Medikamente


Bei der Verabreichung von unterschiedlichen Medikamenten ist zu beachten, dass einige (wenige) Mittel zusammen gegeben werden können, viele andere hingegen dürfen nur mit einem bestimmten Zeitabstand verabreicht werden. 

Einige wenige unterschiedliche Mittel dürfen nur im Tageswechsel eingenommen werden, oder schließen eine kombinierte Behandlung sogar generell aus. 

So dürfen z. B. Kortisonhaltige Medikamente nicht mit Homöopathika kombiniert werden.  

 

Medikamente, die Kortison enthalten nicht zusammen mit Homöopathika geben


Auch ist Vorsicht geboten bei Komplex-Medikamenten mit vielen Einzelmitteln, die mit anderen Präparaten kombiniert eine unerwünschte Wirkungsweise (unerwartete Nebenwirkungen) verursachen können oder sich in ihrer Wirkungsweise gar aufheben.

Generell ist es immer besser, wenn auch kombinierbare Medikamente etwas zeitversetzt gegeben werden, es sei denn eine gemeinsame Eingabe ist vorteilhaft und erwünscht. 

Auch hierüber wird Ihnen Ihr Therapeut sicherlich detailliert Auskunft und Ihnen eine exakte Eingabeempfehlung geben. 

 

Zwischen den Gaben verschiedener Medikamente sollten ein paar Minuten Wartezeit liegen


4. Tierbezogene Besonderheiten


Unsere verschiedenen Haus- und Heimtiere haben hinsichtlich Physis, Verhalten, Eigenschaften, Eigenarten, Gewohnheiten und vieles mehr sehr unterschiedliche

Kooperationsbereitschaften Medikamente aufzunehmen. 

Bei vielen (meist größeren)  Hunden ist die Verabreichung von Medikamenten oftmals völlig problemlos möglich - ein Schnapp und die Tablette, verpackt in einem Leckerli, ist in Richtung Darm unterwegs.  

 

Bei den vielen größeren Hunden ist eine Medikamenteneingabe meist problemlos möglich
Tabletteneinnahme – halb so wild!


Bei Katzen oder auch kleineren Hunden kann sich die Eingabe hingegen etwas schwieriger gestalten, da sie meist viel langsamer Futtermittel aufnehmen und versteckte Medikamente eher entdecken.   

 

Einige „Vierbeiner“ zeigen sich recht unkooperativ – hier bedarf es etwas „Kreativität“ vom Tierhalter


Auch ist das mögliche Handling, also der Umgang mit dem Tier selbst, für bestimmte Verabreichungen entscheidend. 

Medikamente, welche z. B. nur pur in einer bestimmten Menge eingenommen werden dürfen 

(z. B. Kolloidales Silber) erfordern eine direkte Eingabe am Tier (z.B. Eingabe mit einer Einwegspritze). 

Dieses muss das Tier aber auch regelmäßig zulassen. Insofern ist es ratsam, spielerisch diese Situation, ideal bereits im Vorfeld (also vor einer Notwendigkeit Medikamente eingeben zu müssen) zu üben, 

Dieses kann mit Wasser, kleinen Leckerlis etc.geschehen, so dass ihr Tier mit der Situation einer Eingabe vertraut wird.

Wenn eine direkte Applikation von Medikamenten notwendig ist, so sind hierfür besondere Haltetechniken (teilweise werden sie auch als Zwangsmaßnahmen bezeichnet) erforderlich. 

D. h. damit die erforderliche Menge des Medikamentes eingegeben werden kann muss das Tier hierfür fixiert werden. 

Dieses sollte behutsam, ohne Hektik und so kurz wie möglich geschehen, was eine organisatorische Vorbereitung (Medikament in richtiger Dosierung, Hilfsmittel und Belohnung vorab zurecht legen) erfordert. 

 

Eine zweite „Vertrauensperson“ bei einer erforderlichen Fixierung im Rahmen einer Medikamenteneingabe kann sehr hilfreich sein


Kleinere Tiere können z. B. per Nackengriff kurzzeitig fixiert werden um die Eingabe von möglichst flüssigen Medikamenten vorzunehmen. 

Dieses ist auch bei Katzen empfehlenswert. Doch achten Sie gut darauf, dass Ihr Tier das Medikament auch schluckt, manche Vierbeiner sind Meister im Verstellen und später findet man die eine oder andere Tablette ausgespuckt auf dem Boden wieder.

 

Hat Ihr Tier die Medikamente auch aufgenommen (?) – nicht selten findet man sie später „außerhalb“ von Miezi oder Wauzi wieder


Viele Medikamente können jedoch auch über Futter- oder Trinkgaben verabreicht werden, also ohne besondere Fixiermaßnahmen (z. B. bei vielen Käfigtieren). 

Um die Gefahr einer möglichen Unterdosierung durch nicht aufgenommene Futtermittel/ Trinkrationen, welche ja die Medikamente enthalten, zu entgehen muss die erforderliche Dosierung ggf. entsprechend angepasst werden. 

Stimmen Sie dieses unbedingt mit Ihrem Tiermediziner ab und erhöhen Sie nicht eigenständig die Dosierung.  

 

Folgen Sie der vom Tiermediziner verordneten Dosierung – eigenständige Änderungen können den Behandlungserfolg in Frage stellen


5. Hilfsmittel

 

Für die richtige Dosierung von Tabletten-Teilstücke sind, sofern die Tabletten nicht über Bruchrillen verfügen, Tablettenteiler aus dem Humanbereich gut zu verwenden.

Die integrierten, sehr scharfen Messer teilen Tabletten recht exakt, was mit einem

Küchenmesser oftmals nicht gelingt. 

 

Mit einem geeigneten Tablettenteiler lassen sich exakte Teilmengen herstellen


Meist ist es vorteilhaft, wenn Tabletten oder auch Globuli entweder als Pulver oder in Wasser aufgelöst verabreicht werden können. 

Um aus festen Medikamenten ein Pulver zu generieren sind Schraubmörser aus Kunststoff ideal geeignet. Da sie geschlossen sind (anders als z. B. offene, dekorative Marmormörser) können beim Zerkleinerungsprozess keine herausspringenden Teilstücke verloren gehen (was die Dosiermenge verändern würde). 

Es kann damit ein sehr feines Pulver erzeugt werden. Außerdem kann in dem gleichen Behälter auch die Vermischung (z.B. mit Wasser) erfolgen und sie lassen sich darüber hinaus auch sehr gut reinigen.  

 

Spezielle Kunststoffmörser zerkleinern auch härtere Tabletten zu feinem Pulver…
… und eignen sich auch zum Vermischen mit Wasser, was eine leichte Verabreichung per Einwegspritze ermöglicht

 

Klassische Mörser aus Porzellan, Marmor etc. sind zwar hübsch, aber weniger geeignet (Quelle: Thomas Francois, pixelio.de)


Flüssige Medikamente, oder in Wasser aufgelöste Mittel, lassen sich i. d. R. gut mit einer Einwegspritze verabreichen, es sei denn die Eingabemengen sind hierfür zu groß. Zur Verlängerung der relativ kurzen Spitze (dort wo normalerweise die Kanüle aufgesetzt wird) 

kann ein Stück Kunststoffschlauch (transparente Luftschläuche aus der Aquaristik) verwendet werden.  

Die Verlängerung einer Einwegspritze kann mit einem Kunststoffschlauch erfolgen und verhindert Verletzungen bei allen Beteiligten


Für die Eingabe von Tabletten,die nicht aufgelöst werden können/dürfen  gibt es besondere Tabletteneingeber, die verletzungsfrei (gleichermaßen für Tier und Halter) eine Eingabe ermöglichen.

Das Aussehen ähnelt einer Spritze, an der flexiblen und weichen Gummispitze können jedoch Tabletten platziert werden, die dann per Kolben in den hinteren Bereich der Maulhöhle eingebracht werden können. 

Bei einigen Modellen kann zuvor im hinteren Teil eine geringe Menge Wasser aufgezogen werden, welche zusammen mit der Tablette beim Austritt einen besseren Schluckeffekt auslöst. 

 

Spezielle Tabletteneingeber erleichtern die Verabreichung, insbesondere wenn Medikamente nicht zerkleinert werden dürfen


Resümee

 

  • Wenn eine Medikamentenversorgung notwendig ist, so sollte Ihr Tier diese auch gemäß Verordnung erhalten, damit eine Genesung sichergestellt wird.
  • Gut wäre es, wenn Ihr Tier mit „Eingaben“ schon vertraut wäre, was aber nur durch vorzeitiges und regelmäßiges Training möglich ist.
  • Manchmal helfen sog.„Rituale“ die eine regelmäßige und konsequente Medikamenteneingabe begleiten (z. B. - jeden Morgen vor der ersten Fütterung eines besonders leckeren Futters, - nach der Medikamentengabe wird immer ein positives Erlebnis bereitet, - es erfolgt immer im Anschluss eine Belohnung etc.).
  • Schaffen Sie eine für das Tier möglichst stressfreie Situation (die Verabreichung sollte eher spielerisch als zwanghaft sein).
  • Nehmen Sie sich Zeit für die Verabreichung von Medikamenten und ggf. kann Ihnen dabei eine zweite Person helfen.
  • Halten Sie sich strikt an die Verordnungen und Dosierungsvorgaben und besprechen Sie Abweichungen oder auch Probleme mit Ihrem Tiermediziner.  
  • Fragen Sie bei Eingabeschwierigkeiten Ihren Tiermediziner, ob es ggf. eine andere, leichter einzugebende Form der Arznei gibt.   

 

Belohnungen oder anschließende positive Erlebnisse nach erfolgter Eingabe erleichtern die regelmäßige Verabreichung von Medikamenten und erhöhen die Kooperationsbereitschaft Ihres Tieres


Bei weiteren Fragen zum Thema können Sie uns gerne ansprechen.

 

Ihre Tierheilpraxis Materia Medica 

 

Kontakt:   

Tierheilpraxis Materia Medica

Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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16-20 Uhr

Do 

10-13 Uhr

Sa

10-13 Uhr

Und nach Vereinbarung.

 

Um Wartezeiten zu vermeiden bitten wir um eine telefonische Terminabsprache.

 

Hausbesuche nach Vereinbarung.