Informationen und Service für interessierte Tierhalter

 

Lebererkrankungen 

Die Leber – Organ mit zentraler Bedeutung 

 

Die Leber ist das zentrale Organ des Körpers bzw. des gesamten Stoffwechsels. Mit über 1.500 biochemischen Funktionen leistet die Leber (lateinisch: iecur, griechisch Hepar) einen entscheidenden Beitrag hinsichtlich Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. 

Dabei verrichtet das größte, innere Körperorgan (bei einem Hund bzw. Carnivoren/Fleischfressern entspricht das Gewicht einer gesunden Leber ca. 3 - 4 % des gesamten Körpergewichtes, bei Omnivoren/Allesfressern ca. 2 – 3 % und Herbivoren/Pflanzenfressern dagegen „nur“ 1 - 1,5 %) relativ unauffällig seinen Dienst.  


 

Leber eines Schafes

1 = linker Leberlappen 2 = rechter Leberlappen 3 = Schwanzlappen 

4 = quadratischer Leberlappen 5 = Leberpforte mit Leberarterie und Pfortader 

6 = Leberlymphknoten 7 = Gallenblase

(Quelle: Uwe Gille, wikipedia.org)


Aufgrund der Größe und der besonderen Regenerationsfähigkeit werden Erkrankungen oft erst spät wahrgenommen. So wirkt ein Tier mit einer erkrankten Leber selbst bei einem Verlust von 70% des Gewebes oftmals noch gesund. 

Anders als bei den Organen Herz oder Nieren regeneriert sich eine Leber im Leben eines Organismus mehrfach selbst (bei einer Katze werden z. B. Leberzellen im Lebensverlauf ca. sieben Mal ausgetauscht). 

Die Selbstregenerationsfunktion ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich, bei großen Belastungen (Infektionen, Vergiftungen, Tumorbildungen etc.) kann es zu einer Funktionseinschränkung bis hin zum völligen Verlust der Funktionsfähigkeit kommen, die final dann mit einem letalem Ergebnis enden. 

Da Lebererkrankungen bei unseren Haus- und Heimtieren relativ häufig vorkommen, meist aber erst sehr spät entdeckt werden und die zwingend erforderliche Behandlung dann erst im fortgeschrittenen Stadium (oftmals zu spät) eingeleitet werden kann, soll dieser Beitrag dem interessierten Tierhalter einige spezielle Informationen geben. 

Anfängliche Funktionsstörungen bzw. Erkrankungen lassen sich meist sehr gut und vollständig bei frühzeitiger Behandlung behandeln. Daher gilt es die Sensibilität für eine mögliche Erkrankung zu erhöhen, damit frühzeitig eine geeignete und gezielte Behandlung eingeleitet werden kann.


 

Innere Organe des Hundes (Quelle: Sylvia Dauborn, Lehrbuch für Tierheilpraktiker, Sonntag Verlag)
Innere Organe der Katze (Quelle: Sylvia Dauborn, Lehrbuch für Tierheilpraktiker, Sonntag Verlag)


 

Anatomie und Physiologie der Leber

 

Die Leber als größtes inneres Organ liegt unterhalb des Brustfells und wird durch die Rippen geschützt. Das zentrale Stoffwechselorgan hat eine glänzende Oberfläche und ist bei Fleischfressern in sieben Lappen unterteilt (bei Pflanzenfressern sind diese Lappen nur teilweise angedeutet). 

Auf der Unterseite der Leber liegt die Gallenblase, die durch die angrenzenden Leberlappen geschützt wird. (übrigens einige, wenige Tiere, wie Pferd, Kamel, Hirsch, Reh, Taube und Ratte verfügen über keine Gallenblase). 

Die kleinsten „Baueinheiten“ der Leber sind die Leberläppchen (Lobuli hepatis), die als eigenständige Funktionseinheiten durch Bindegewebe umschlossen werden. 

Damit eine hohe Funktionsfähigkeit sichergestellt wird, findet eine starke Durchblutung in einem reichhaltigen Blutgefäßgeflecht (Arterien und Venen) statt, was final durch die große Blutgefäße (Versorgung: Arteria hepatica und Vena porta / Entsorgung: Vena hepatica und Vena cava caudalis) erfolgt.


 

Links: Die Leber (Hepar) und ihre angrenzenden Organe Rechts: Aufbau eines Leberläppchens (Lobuli hepatis) (Quelle: Sylvia Dauborn, Lehrbuch für Tierheilpraktiker, Sonntag Verlag)


 

Funktionen und Aufgaben der Leber

 

Auf die vielen und existenziellen Funktionen und Aufgaben der Leber wurde bereits hingewiesen. Was sind aber die Hauptfunktionen und –aufgaben, was funktioniert bei einer Lebererkrankung nicht mehr ausreichend oder gar nicht mehr? Die nachfolgende Aufstellung soll in kurzer Form die Hauptfunktionen aufzeigen, es gibt darüber hinaus noch viele andere

Aufgaben, die hier aber nicht diskutiert werden sollen. 

 

  • Entgiftungsfunktion/Abbau stoffwechseleigener und stoffwechsel fremder Substanzen

Im Rahmen der Stoffwechselprozesse bzw. bei der Verdauung von Nahrungsmitteln entstehen Giftstoffe. Diese werden diese durch die Leber „entschärft“ und zur Ausscheidung (über die Nieren) weitergeleitet (z. B. hochgiftiges Ammoniak, welches im Rahmen des Eiweißstoff-wechsels anfällt, wird in weniger giftigen Harnstoff umgewandelt und über den Urin ausgeschieden).

 

Körperfremde Giftstoffe oder Medikamentenrückstoffe werden durch die Leber entweder abgebaut oder in ungiftige Stoffe umgebaut. So können wasserlösliche Stoffe über die Nieren (Urin) und wasserunlösliche Stoffe über die Galle (Stuhl) entsorgt werden. 

Z. B. wird Hämoglobin (Blutfarbstoff) in der Leber zu Bilirubin (Gallenfarbstoff) umgewandelt, über das Gallengangsystem in den Darm geleitet und final mit dem Stuhl ausgeschieden. Ferner werden nicht benötigte Hormone abgebaut und über das Harn,- bzw. Gallensystem ausgeschieden.  

 

  • Regelung des Glucosehaushaltes 

Durch die Leber werden überschüssige Kohlehydrate (Glukose) in Form von Glykogen gespeichert und bei Energiebedarf wieder in Glukose umgewandelt. 

 

  • Regelung des Eiweißstoffwechsels 

Neben der bereits aufgeführten Entgiftungsfunktion im Rahmen der Verdauung von Proteinen (Eiweiße) werden aus bestimmten Proteinbestandteilen Eiweißkörper hergestellt. Eiweißstoffe dienen zur Herstellung des roten Blutfarbstoff sowie des Hormonaufbaues und Erhalt des Säure-Basen-Haushaltes im Blut. 

 

  • Regelung des Fettstoffwechsels 

Durch die Leber werden Lipide aus dem Blut entfernt und in Fettdepots gespeichert. Bei Energiemangel werden Fettdepots bzw. Blutfette wieder abgebaut und in verwertbare Energie umgewandelt. Darüber hinaus dienen Bestandteilen dieser Fette zur Herstellung von Cholesterin, Hormon- und Gallensäuren - auch Funktionen der Leber. 

 

  • Beteiligung bei der Blutbildung 

Auch wenn eine direkte Blutbildung (rote Blutkörperchen) durch die Leber bei erwachsenen Organismen durch das Knochenmark erfolgt (im fetalen Entwicklungsstadium ist hierfür die Leber verantwortlich), so ist die Leber dennoch an diesem Prozess entscheidend beteiligt. Das Vitamin B12, welches für die Blutbildung unentbehrlich ist, wird durch die Leber gespeichert. Ein B12 Mangel würde zu einer Anämie (Blutarmut) führen. 

 

  • Wärmeerzeugung 

Als Organ mit einer hohen Stoffwechselrate und großer Blutversorgung leistet die Leber den größten Teil hinsichtlich Steuerung der Körpertemperatur. 

 

  • Drüsenfunktion der Leber 

Die Leber stellt die größte Verdauungsdrüse in einem Organismus dar. So werden große Mengen des Gallensaftes fortgehend produziert, die zum einen Fremdstoffe oder Abbauprodukte über den Darm ausleiten, andererseits aber wichtig hinsichtlich Verdauung und Aufnahme von Fetten aus den Nahrungsmitteln sind (Gallensäure). Die Speicherung des Gallensaftes erfolgt bis auf wenige Ausnahmen in der Gallenblase. Darüber hinaus werden durch die Leber bestimmte Hormone eigenständig gebildet oder aber aktiviert (z. B. Schilddrüsenhormon Vitamin D etc.). 

 

  • Speicher- und Transportfunktion lebenswichtiger Vitamine und Spurenelemente 

Die Leber speichert zahlreiche Vitamine (z. B. A, D, B12 etc.), deren Transport durch die

Bereitstellung transportierender Hormone erfolgt. Lebenswichtige Spurenelemente wie z. B. Eisen, Kupfer, Zink und Mangan werden ebenfalls gespeichert und bei Bedarf durch entsprechende Transportproteine dem Körper zugeführt. 

 

  • Bildung von Gerinnungsfaktoren 

Durch die Leber werden Fibrinogen und andere Blutgerinnungfaktoren gebildet, ohne die der  Prozess der Hämostase (körpereigener Prozess der Blutstillung) nicht funktionieren würde. Bei nachhaltigen Lebererkrankungen ist diese Funktion oftmals gestört, es können  anhaltende bzw. größere Blutverluste auftreten. 

 

  • Immunologische Funktion 

Die Leber verfügt über verschiedene unspezifische Abwehrmechanismen gegen Viren und Bakterien. Außerdem wirkt sie unterstützend bei der spezifischen Abwehr von Infektions-erregern. Selbst bei der Erkennung und Eliminierung von Tumorzellen wirkt die Leber mit.

 

Aus der auszugsweisen Darstellung der Aufgaben- und Funktionsbereiche der Leber wird deutlich, das bei einem Ausfall dieses zentralen Organs ein Leben nur noch für wenige Stunden möglich sein wird. 

Vielleicht ist dieses der Grund, warum durch die Natur dieses Organ hinsichtlich seiner Größe so üppig dimensioniert wurde.

Dennoch lässt sich leicht vermuten, dass eine eingeschränkte Funktionalität der Leber zu erheblichen Einschränkungen der restlichen Körperfunktionen und einer deutlich verminderten Lebensqualität führt. 

Insofern ist im Verdachtsfall die Hinzuziehung eines Tiermediziners dringend erforderlich, damit eine seriöse Diagnostik mit anschließender Therapie erfolgen kann.  

 

Mögliche Auswirkungen unterschiedliches Funktionsstörungen

 

Da die Leber derartig viele Aufgaben und Funktionen hat können bei Erkrankungen sehr unterschiedliche Auswirkungen auftreten. Auch die Ursachen einer Lebererkrankung können Einfluss auf Art der Funktionsstörung nehmen. 

So können Faktoren wie fortgeschrittenes Alter, Infektionen durch Viren, Bakterien, Parasiten, belastende Medikamente, Tumorerkrankungen, Erbkrankheiten, Entwicklungsstörungen etc. unterschiedliche Ausprägungen einer Leberfunktionsstörung zeigen. 

 

Bandwürmer, insbesondere der Fuchsbandwurm, aber auch Medikamenteneinsatz können zu Lebererkrankungen führen (Quelle links: Maja Dumat, pixelio.de, Mitte: Alan R. Walker, wikipedia.org, rechts: BloodyMary, pixelio.de)
Viren und Bakterien können Leberschäden verursachen (Quelle links: Aka, pxelio.de, rechts: wikipedia.org)


Auch können bestimmte Funktionseinschränkungen besondere Erkrankungsausprägungen zeigen.

Bei Störungen des Fettstoffwechsels können z. B. folgende Probleme entstehen 

 

  • Bildung von Gallensteinen,dadurch Abflussstörung der Gallsnflüssigkeit mit ggf. Gallenstau. Durch die Zunahme des Gallenfarbstoffes (Billirubin) kann eine Gelbsucht (Ikterus) verursacht werden.
  • Hyperlipidämie (Überfettung des Blutes). Dieses kann die Blutgefäße schädigen, eine Fettleber initiieren und eine Fettembolie erzeugen. Außerdem kann es zu hormonellen Beeinträchtigungen kommen, die andere Probleme mit sich ziehen.

 

Gallensteine (Quelle: Stell98, wikipedia.org)


Störungen des Eiweißstoffwechsels führen oft zu direkten Vergiftungserscheinungen und schädigen verschiedene andere Organe. 

Ist der Glukosestoffwechsel gestört kann es einerseits zu Unterzuckerungen kommen, andererseits werden bei mangelnder Glukosebereitstellung vermehrt Proteine zur Energiebereitstellung verwendet. Dadurch fallen deutlich mehr Giftstoffe an, welche für eine zusätzliche Belastung sorgen.

Ist der Leberstoffwechsel durch eine Erkrankung deutlich erhöht, steigt die Körpertemperatur. Erreicht das Fieber bei einem Säugetier mehr als 41 ° C. können viele Körperfunktionen nicht mehr aufrecht gehalten werden, es kann ein vollständiger Zusammenbruch mit fatalem Ende entstehen.

Starkes Fieber kann bei einer Lebererkrankung auftreten


Auf die Gefahr bei Störungen der Gerinnungsfaktoren wurde bereits hingewiesen.  

Vergiftungen führen zu einer direkten Organschädigung und somit unterschiedlichen Funktionseinschränkungen.Dieses kann bei einer erhöhten Toxinbelastung im Rahmen schwerer Erkrankungen erfolgen. So kann es bei einer belastenden bakteriellen Infektion und gleichzeitiger Gabe von ungeeigneten oder überdosierten Chemikalien/Medikamenten zu einer Organschädigung kommen, oftmals einhergehend mit einer verminderten Körpertemperatur.

 

Vergiftungen durch Pflanzen können Leberschädigungen verursachen (Quelle: Radka Schöne, pixelio.de)


Die meist bei fortgeschrittenen Alter auftretenden Tumorerkrankungen zerstören im Fortgang die Struktur und somit die Funktionsfähigkeit der Leber. Es können sich dabei sehr unterschiedliche Störungen zeigen, meist nimmt die Funktionsfähigkeit insgesamt stetig ab, da immer weniger Leberzellen ihren Dienst verrichten können. 

Der Umfang der entarteten Leber kann gewaltige Ausmaße haben. Ähnlich, allerdings in die andere Richtung, verhält es sich bei einer Leberzirrhose, wo aktive und funktionsfähige Leberzellen durch narbiges Bindegewebe ersetzt werden und die Leber allmählich schrumpft. Eigentlich ist eine Leberzirrhose eine typisch menschliche Erkrankung, meist nach langem intensivem Alkoholkonsum. Es sind jedoch auch Fälle bekannt, wo Tierhalter ihren Hunden über längere Zeiträume Bier zu trinken gaben. Es gibt jedoch auch organische Krankheitsursachen, welche die Leber schrumpfen lassen und sich in eine Leberzirrhose manifestieren.

 

„No beer for dog´s“ – natürlich sollte jeglicher Alkohol vermieden werden, auch der in Medizinischen Tropfen


Ursachen und Erkrankungen der Leber

 

Oftmals ist es schwierig oder gar unmöglich eine zweifelsfreie, eindeutige Ursache für eine Lebererkrankung festzustellen, da Krankheitsausprägungen, die auf eine Lebererkrankung hindeuten würden auch durch andere Funktionseinheiten oder Organe ausgelöst werden können. 

Leider gibt es neben relativ eindeutigen Hinweisen auf eine Lebererkrankung, wie z. B. Verlegung der Gallenwege, Gifteinwirkungen, Durchblutungsstörungen, Übergewicht, direkte bakterielle Infektionen etc. auch Ausprägungen, wie z. B. eine Gelbsucht, die auf eine Bluterkrankung und nicht unbedingt auf eine Lebererkrankung zurück zuführen wäre. 

Ebenfalls können andere Primärerkrankungen die Ursache für eine sekundäre Erkrankung der Leber sein.

Insbesondere bei Hormon- und Stoffwechselstörungen/-erkrankungen (z. B. Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen),Tumorbildungen, Infektionserkrankungen ( z. B. FIP, FeLV, FIV)

Parasiteninfektionen (z.B. Fuchsbandwurm), entzündliche Prozesse in anderen Körperregionen (z. B. Darmentzündungen), Übergewicht oder Über-/Fehlreaktionen des Immunsystems, können sich Funktionsstörungen der Leber einstellen.

 

Starkes Übergewicht kann zu einer Lebererkrankung führen (Quelle: Mein Predigtgarten, pixelio.de)


Als klassische Lebererkrankungen werden folgende Erkrankungen bezeichnet: 

 

  • Akute Leberentzündungen aufgrund unterschiedlicher Ursachen (Gifte, Medikamente, Überbelastungen etc.)
  • Chronische Leberinsuffizienz
  • Akute oder chronische Leberfunktionsstörungen
  • Fettleber (Hepatische Lipidose)
  • Direkte Leberinfektionen (Hepatitis, Leptospirose etc.)
  • Leberabszesse
  • Leberzirrhose
  • Lebertumore/-krebs
  • Genetisch bedingte Erkrankungen (Speicherstörungen)
  • Lebershunt (Fehlbildungen der entsprechenden Gefäße, welche die Leber mit Blut versorgen)
  • Stauungsleber (im Rahmen von vorhandenen Herz-Kreislauferkrankungen)

 

Symptome einer Lebererkrankung

 

Obwohl viele Lebererkrankungen sehr schwerwiegende Erkrankungen darstellen und bei einer zu spät eingeleiteten oder gar unterlassenen Behandlung schnell zum Tode des Lebewesens führen, so treten zumindest anfangs oftmals sehr unspezifische Symptome auf.

Hinzu kommt, dass es im Lebergewebe kaum schmerzleitende Nervenfasern gibt. 

Insofern verspüren selbst schwer erkrankte Tiere meist keine Schmerzen. Schmerzen treten dann meist erst im Endstadium auf, wenn die Erkrankung (zu) weit fortgeschritten ist.

Dennoch gibt es für den Tierhalter beobachtbare Anzeichen, die den Verdacht auf eine Lebererkrankung begründen können. 

Die in der nachfolgenden Übersicht aufgeführten Symptome können einzeln oder kombiniert, anfänglich oder im fortgeschrittenen Stadium, hinsichtlich der Ausprägung gleichbleibend oder intensiver werdend auftreten. 

Die Übersicht erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll dem Tierhalter lediglich erste Hinweise bei einer entsprechend auftretenden Symptomatik geben.

Die Beobachtungen sollten dann möglichst dokumentiert mit Ihrem Tiermediziner zeitnah besprochen werden.

  

  • Mattigkeit, Lustlosigkeit, Schläfrigkeit, Apathie, depressive Verstimmungen
  • Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit,
  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • Fressunlust/Appetitlosigkeit, reduzierte Nahrungsaufnahme
  • Gewichtsverlust/Abmagerung, Schwäche
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
  • Färbung des Stuhlganges und oder Urins kann sich verändern (wird heller oder auch dunkler)
  • Verhaltensveränderungen, Zittern, Angst, Aggressionen
  • gegebenenfalls Bauchschmerzen (z. B. bei Druckbelastungen oder beim Hochheben des Tieres)
  • Vermindertes oder vermehrtes Trinkverhalten
  • Blähungen, Aufstoßen, reichlich Flatulenz
  • Verstärkter Mundgeruch, Entzündungen der Mundschleimhaut, erhöhter Speichelfluss
  • Fieberschübe
  • Schwellungen im Bauchbereich, Bauchwassersucht (Aszites)
  • stumpfes Fell, Hautprobleme, Neigung zu Hautekzeme
  • Blutgerinnungsstörungen in Form auftretender kleiner punktförmiger Blutungsherde
  • Gelbfärbung der Schleimhäute, Ikterus-Gelbsucht (im Bereich der Sklera/Augen, Zahnfleisch, Bindehäuten und anderen Schleimhäuten
  • Störungen des Nervensystems und des Gehirns (Hepatoenzephales Syndrom) 
  • Coma hepaticum (in der finalen Endphase) 


 

Mattigkeit, Apathie, stumpfes Fell können Anzeichen für eine Lebererkrankung sein (Quelle: Joachim Dr. Schmidt, pixelio.de)
Gelbliche Schleimhäute bei einer Katze mit Ikterus (Quelle: Uwe Gille, wikipedia.org)
Erhöhtes Trinkverhalten und vermehrtes Wasserlassen können ein Hinweis auf eine Lebererkrankung sein (Quelle links: M Großmann, pixelio.de, rechts: Angelika Ströbel, pixelio.de)


Diagnosemöglichkeiten bei Lebererkrankungen

 

Vor Einleitung einer Therapie sollte als Basis eine umfassende Anamnese durch Ihren Tiermediziner durchgeführt werden. Neben der aufgenommen Krankengeschichte, den Begleitumständen sowie den Haltungsbedingungen erfolgt eine gründliche klinische Untersuchung des Patienten und gegebenenfalls weitere spezielle Untersuchungen.


 

Eine gründliche Anamnese und Untersuchung sind Basis für die anschließende Behandlung


Hierzu zählen:

  

  • Blutuntersuchungen die Hinweise auf Funktionsstörungen der Leber geben können. Im Rahmen einer allgemeinen Labordiagnostik zeigt die Enzymdiagnostik an ob Leberzellschäden vorliegen (die hierzu herangezogen Untersuchungsergebnisse werden als ALT (GPT), AST (GOT), AP (ALP), GLDH und GPT-Werte bezeichnet). Die Funktionsdiagnostik zeigt inwieweit die Leber noch in der Lage ist ihre Aufgaben zu erfüllen. Hierzu werden die Konzentrationen von Substanzen gemessen, die von der Leber synthetisiert, metabolisiert und ausgeschieden werden (z. B. Albumin, Bluteiweiße, Bilirubin, Gallensäure, Gerinnungsfaktoren, Glukose, Harnstoff etc.)
  • Bildgebende Untersuchungen (Röntgen, Ultraschall). Hierdurch können Veränderungen hinsichtlich Größe, Form oder Ausdehnung der Leber erkannt werden. Auch können Veränderungen der Lebergewebsdichte, Zysten oder Tumore, Gallensteine (siehe hierzu den Beitrag „Konkremente in den Hohlorganen“) oder ein Gallenstau ermittelt werden.
  • Untersuchung des Urins. Insbesondere durch Ermittlung des spezifischen Gewichtes oder dem Nachweis von vorhandenem Bilirubin im Urin können mögliche Lebererkrankungen ermittelt werden
  • Kotuntersuchungen, die bei vermuteten bakterielle Leberentzündungen und Parasitenbefall sinnvoll sind
  • Biopsie von Lebergewebe. Hiermit können direkte Nachweise einer Lebererkrankung ermittelt werden. Die heute üblichen Standardverfahren sind die Feinnadelaspiration (FNA), die die blind oder Ultraschall gestützt vorgenommen werden kann, oder die Stanzbiopsie die meist laparoskopisch (endoskopisch) erfolgt. Es lässt sich hiermit auch ermitteln, ob bereits eine Fibrose (Gewebeveränderung) vorliegt.

 

 

Eine Blutuntersuchung zeigt veränderte Leberwerte an
Bildgebende Untersuchungsmethoden zeigen gegebenenfalls Zellveränderungen an


Der Umfang der einzelnen Untersuchungen ist von Fall zu Fall verschieden und abhängig vom Fortschritt der Erkrankung bzw. Vorhandensein bestimmter Symptome. 

Aus der Vielzahl der Möglichkeiten wird ersichtlich, dass dieses nur seriös durch einen Tiermediziner und nicht durch Internetforen oder Laienbeurteilungen abschließend erfolgen kann.

 

Dispositionen

 

Einige Hunderassen, z. B. Dobermann, Irischer Wolfshund, West Highland White-Terrier, Dalmatiner, Deutscher Schäferhund, Cocker Spaniel, Skye Terrier, Pudel, Labrador, Cairn Terrier, Malteser, Yorkshire Terrier, Australien Sheperts, Dackel, Shi Tzu, Jack Russel Terrier, Bedlington Terrier und Schnauzer neigen etwas häufiger zu Lebererkrankungen. 

Bei Katzen sind, außer der Siamkatze, keine weiteren Rassen bekannt die besonders zu Lebererkrankungen neigen. 

Allerdings treten Lebererkrankungen bei Hungerperioden (mehr als 3-4 Tage) auf. Deshalb sollte eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Katzen auch nur in sehr kleinen Schritten erfolgen. Bei Vögeln neigen besonders Wellensittiche zu Lebererkrankungen, gleiches gilt beiden Nagern für Meerschweinchen, wobei Übergewicht eine große Rolle dabei spielt.
 

Die Hunderassen Dobermann, West Highland White Terrier und Labrador neigen etwas häufiger zu Lebererkrankungen (Quelle links: Karl-Heinz Liebich, pixelio.de, Mitte: M. Großmann, pixelio.de, rechts: Christina Kuzio, pixelio.de)
Bei den Katzenrassen erkranken eher Siamkatzen an Lebererkrankungen, Wellensittiche und Meerschweinchen bilden bei den Kleintieren die Gruppe der gefährdeten Leberpatienten (Quelle links: Karin Langner-Bahmann, pixelio.de, oben rechts: Tobias Buller, pixelio.de, unten rechts: StHuhn, pixelio.de)


Möglichkeiten einer naturmedizinischen Behandlung

 

Bis auf wenige Ausnahmen haben sich Leberfunktionsstörungen über einen mehr oder weniger längeren Zeitraum entwickelt. Insofern sind auch viele Therapien für eine längere

Behandlungszeit (manchmal auch dauerhaft) ausgelegt.

Es sollten dabei auf belastende Medikamente (z. B. Schmerzmittel, Antibiotika etc.) weitgehend verzichtet werden, bei Notwendigkeit (z. B. bei parallel bestehenden anderen Erkrankungen) sollte möglichst auf alternative Medikamente ausgewichen werden, damit keine zusätzlichen Belastungen entstehen.

 

Bei Lebererkrankten Tieren sollte die Wahl der Medikamente besonders bedacht werden, da sonst zusätzliche Belastungen initiiert werden können


Da die Leber ein ausgesprochen „regenerationsfähiges“ Organist sollten Maßnahmen eingeleitet werden, die einmal das Organ insgesamt unterstützen, aber auch bestimmte Funktionen optimieren. Also eine ganzheitliche und symptomatische Therapie. 

Welcher Therapieansatz hinsichtlich des Medikamenteneinsatz der geeignetste ist wird der behandelnde Tiermediziner ermitteln und empfehlen.

Im Rahmen naturmedizinischer Ansätze bieten sich Phytotherapie, TCM, Mykotherapie,

Homöopathie, biochemische Medikamente, Enzymtherapie u. a. an, die auch oftmals sehr erfolgreich kombiniert angewendet werden können um so die Wirkungsweise zu erhöhen. 

Sehr wichtig ist bei Leberpatienten die Ernährung, die speziell definiert und angepasst werden muss. 

In diesem Zusammenhang ist es richtig, wenn man davon spricht, dass das 

„Futter zur Medizin wird“.

Neben möglichst kleinen, aber täglich mehrfachen Futterportionen sollte auch ein entsprechendes „Zugabemanagement“ spezieller Ergänzungsstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Mineralien) in richtiger Dosierung (zu hohe Gaben belasten die Leber!) sichergestellt werden.


 

Bei der Wahl und Dosierung der erforderlichen Zusatzstoffe muss der Erkrankungszustand beachtet werden, überhöhte Mengen können sehr belastend, sogar toxisch wirken


Die jeweilige Proteinversorgung (Versorgung mit Eiweiße) sollte auf das individuelle, erforderliche Maß eingestellt werden und leicht verdaulich sein (also hochwertige Proteine).

Eine Analyse eingesetzter Fertigfuttermittel sollte hinsichtlich Eignung unbedingt erfolgen, wobei klar sein muss, dass geeignete, spezielle Futtermittel nicht über den klassischen Futtermittelhandel erhältlich sind. 

Hinweise wie „Schonkost“, „Diätfuttermittel“ etc. bedeuten nicht, dass diese Futtermittel für ein leberkrankes Tier geeignet sind. Auch hier wird der behandelnde Therapeut entsprechende Vorschläge machen, wenn nicht – fragen Sie danach.


 

Leberkranke Tiere bedürfen einer speziellen Ernährung. Die erforderlichen Futtermittel sind i. d. R. nicht über den klassischen Handel erhältlich – eine Abstimmung mit einem Tiermediziner sollte daher unbedingt erfolgen


Da viele Lebererkrankungen in einem Zusammenhang mit weiteren und anderen Erkrankungen stehen ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise vorteilhaft und erforderlich. Es macht z. B. wenig Sinn Symptome einer Lebererkrankung zu behandeln, wenn parallel und beeinflussend eine unbehandelte (vielleicht bisher unentdeckte) Diabetes vorliegt, oder das Tier eine Schilddrüsenerkrankung hat.

 

Notwendigkeit von prophylaktischen Maßnahmen?   

 

Die Leber als ein wichtiges (wenn nicht wichtigstes) Organ sollte möglichst belastungsfrei und schonend behandelt werden. 

Giftstoffe aus der Umwelt und Futtermitteln, Medikamente, ungeeignete Ernährung, Einsatz von Parasitenmitteln (Spot-on etc.) etc. können starke Belastungen darstellen. 

Als sehr empfehlenswert, bereits bevor sich eine Lebererkrankung etabliert hat, sind Maßnahmen, die eine Entlastung, Stärkung und Stabilisierung dieses Organs bewirken. 

Es gibt verschiedene naturmedizinische Therapien, die gezielt die Leber ansprechen und diese stärken. 

Auch kann der wichtige Prozess einer Entgiftung unterstützt bzw. beschleunigt werden. Meist wird bei diesen Therapien auch noch parallel das Immunsystem gestärkt, so dass eine allgemeine Vitalisierung erzielt wird. 

Insgesamt wird somit neben der Organentlastung und Stärkung auch die allgemeine Lebensqualität und Vitalität verbessert. Dieses sollte insbesondere bei Tieren, die ausschließlich mit industriellem Fertigfutter ernährt werden, erfolgen. 

Derartige Kuren werden mit geeigneten naturmedizinischen Medikamenten 1-2-mal im Jahr durchgeführt, sprechen Sie hierzu Ihren Therapeuten an.

 

Prognose und abschließende Hinweise

 

Lebererkrankungen gehören zu den schwerwiegenden Erkrankungen unserer Tiere, da sie eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionsstörungen oder Beeinträchtigungen verursachen können. 

Neben der Art der speziellen Erkrankung ist hinsichtlich einer günstigen Prognose eine möglichst frühzeitige Diagnose und Einleitung einer geeigneten Behandlung entscheidend. Leider erfolgt dieses oftmals zu spät, so dass dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen einhergehend mit einer Verminderung der Lebensqualität und einem frühzeitigem Tod zu erwarten sind.

Bei einer frühzeitig eingeleiteten Behandlung ist die Prognose jedoch meist recht günstig, auch im Hinblick auf die enormen Regenerationseigenschaften der Leber.

Eine regelmäßige Entgiftungs- und Stabilisierungskur -wie oben angesprochen – kann dazu führen, dass dieses zentrale und bedeutende Organ erst gar nicht erkrankt oder geschwächt wird. 

Gesunde Tiere mit einer guten Lebensqualität – unser gemeinsames Ziel


Wenn Sie hierzu Fragen haben, oder nach einer geeigneten Therapie suchen 

– sprechen Sie uns an. 


 

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