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Krallenpflege - notwendig oder überflüssig ??

 

Finger- und Fußnägel gehören bei den meisten Menschen, insbesondere bei den Damen, zu den besonders pflegebedürftigen Körperteilen. Um diese Körperteile besonders schön aussehen zu lassen, werden teilweise horrende Summen ausgegeben, mit den überall aufblühenden Nagelstudios konnte sich sogar eine neue Branche etablieren.

 

Nägel als Kunstobjekte der anspruchsvollen Frau (Quelle: Tina/pixelio.de)


Wie sieht es aber eigentlich mit der „Pediküre“ bei unseren Heimtieren aus? Benötigen Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster, Vögel, Hunde oder Katzen eine besondere oder gar regelmäßige Pflege? 

Und wenn ja, wie sieht diese aus und wer sollte sie durchführen?

Neben diesen offenen Fragen werden in unserer Praxis manchmal Tiere vorgestellt, die hinsichtlich ihrer Krallen in einem erbärmlichen Zustand sind.

Offensichtlich wird, wie es so schön fachlich heißt, "den Enden der Extremitäten" wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt und das bei Lebewesen, die ihre Krallen existentiell benötigen und nicht als Kunstobjekte zur Schau tragen.

 

Übermäßige Krallen beim Meerschweinchen, Kaninchen und Graupapagei

 

Tierkrallen üben bestimmte Funktionen aus. Unter natürlichen Bedingungen (was auch die Ernährung mit einbezieht) erfüllen sie ihre Aufgabe, ohne dabei übermäßig lang zu wachsen bzw. sonstige Fehlentwicklungen aufzuzeigen. Alles andere würde in freier Wildbahn zum Tode führen, ohne funktionierende Krallen könnte das entsprechende Tier nicht überleben.

 

Was können nun Gründe für Krallenprobleme sein?

 

Bei Käfigtieren, insbesondere betroffen sind Vögel, Nager, Kaninchen, teilweise  auch Reptilien, können Probleme auftreten, die auf drei Ursachentypen zurückgeführt werden können.

 

Ursache: Ernährung 
Fehlen wichtige Nahrungsergänzungsstoffe, wird dieses zu brüchigen, unbrauchbaren bzw. unansehnlichen Krallen führen. Nur eine genaue Analyse aller Futtermittel kann hier aufzeigen, was fehlt. Falsch wäre, einfach ein Calciumpräparat zu geben, in der Hoffnung, dieses würde schon helfen. Gerade die speziell benötigten Zusatz- und Mineralstoffe werden nur in sehr geringen Spuren benötigt und dürfen nicht eigenmächtig gegeben werden. Überdosierungen führen schnell zu Schäden; daher gilt folgendes: Bitte stellen Sie Ihr Tier einem Tiermediziner (z. B. einem Tierheilpraktiker THP) vor, er wird Ihnen helfen, den fehlenden Stoff in der richtigen Dosierung zu finden.

 

Ursache: Laufumfeld, bzw. vermindertes Abnutzungspotential 

Sicherlich wird es jedem einsichtig sein, dass das Bewegungspotential von wildlebenden Tieren ein anderes ist als von in Käfigen lebenden Tieren. Hinzu kommt, dass durch weiche Einstreu kaum eine Abnutzung der Krallen stattfinden kann. 

Auch fehlen echte Felswände, harte Holzrinden und andere natürliche Materialien, die für einen ausreichenden Krallenabrieb sorgen. Letztendlich trägt auch ein sichergestelltes ruhiges und komfortables Leben dazu bei, dass die  künstliche Schonung der Krallen für ein übermäßiges Längenwachstum führt.

Dieses läuft bei einem Wildtier, welches permanent auf der Flucht vor Fressfeinden ist und bei der Suche nach Futter oft ausgedehnte Märsche auf sich nehmen muss, völlig anders. Zwar kann man versuchen, möglichst harte Naturmaterialien in die Käfiglandschaft zu integrieren, aber die vollständig anderen Lebensbedingungen können wir nicht simulieren, hier muss der Mensch korrigierend helfen.

 

Ursache: Erkrankung der Krallen und Klauen 

Oftmals optisch gut erkennbar, können Krallen und Klauen auch erkranken. Dieses geschieht meist nicht primär, sondern schließt sich einer anderen Erkrankung an. Denkbar sind Krallenbettentzündungen, Neoplasien, bakterielle Infektionen und Infektionen durch Pilze.

Alle Erkrankungen gehören in die Hand eines Tiermediziners und sind – wenn auch meist etwas langwierig- gut behandelbar.

 

Bei Hunden können ebenfalls die o. a. Ursachen zu Krallenprobleme führen, wobei ein zu starkes Längenwachstum bei weitem das häufigste Problem darstellt, gefolgt von ernährungsbedingten Mangelerscheinungen. Erkrankungen der Krallen/Klauen,

wie z. B. häufig bei Großtieren, sind eher selten zu beobachten.

 

Zu lang gewachsene Hundekrallen (rechts Wolfskralle)


Stubentiger hingegen haben kaum Probleme mit ihren Krallen. Dieses liegt vielleicht an der besonderen Struktur (Härte) und an der intensiven Pflege ihrer Allroundwerkzeuge. 

Beobachtet man Katzen etwas genauer, so kann manfeststellen, dass ein Leben in der freien Natur ohne einwandfreie Krallen gar nicht möglich wäre.

Klettern, Beute fangen und halten, Verteidigung, Kommunikation etc. wäre ohne diese gar nicht möglich. 

Katzen betreiben hinsichtlich Ihrer Krallen einen umfangreichen Pflegekult.

Und ähnlich wie ein Metzger seine Arbeitswerkzeuge regelmäßig schärft, tun dieses auch unsere Schmusetiger. Kürzt man einer Katze unbedachterweise die Krallen, so beraubt man sie ihrer wichtigsten Werkzeuge. Dieses kann sogar zu einem gestörten psychischen Verhalten führen, daher gilt bei Katzen die Regel: Finger weg von den Krallen.

 

Katzen können ihre Krallen "bedarfsgerecht" aus- bzw. einfahren. Krallenkürzen kommt einer temporären Amputatiom gleich und sollte unterlassen werden (Quelle: links: Betty/pixelio.de, rechts: Romy2004/pixelio.de)


Was ist zu tun?

 

Bei Katzen wie schon angeführt - außer einer gelegentlichen Inaugenscheinnahme bzw. bestenfalls Entfernung loser Fragmente - nichts. Natürlich kann es auch bei Katzen zu -meist mechanischen- Verletzungen kommen, die sich u. U. entzündet haben und vom Tiermediziner behandelt werden müssen, das ist aber eher selten der Fall.

 

Bei Käfigtieren muss eine regelmäßige Kontrolle erfolgen. Das meist festgestellte übermäßige Längenwachstum muss rechtzeitig korrigiert werden, sonst können dauerhafte Verkrüppelungen/Fehlstellungen entstehen. Außerdem verursachen zu lange Krallen Schmerzen, was man dem Tier ersparen sollte.

 

Die Kürzung der Krallen sollte fachgerecht erfolgen und darf das Tier nicht verletzen. Dieses ist bei dunklen Krallen leider etwas schwieriger, da man das innenliegende Blutgefäß kaum oder gar nicht sehen kann. Außerdem muss das Tier gut fixiert werden, um eine korrekte Kürzung vornehmen zu können.

Die Kralle ist kurz über dem Blutgefäß  mit einer geeigneten Zange zu schneiden. Das Blutgefäß darf nicht verletzt werden, Vögel oder andere Kleintiere verfügen über nur sehr kleine Blutmengen, hier könnten Verletzungen zu lebensbedrohlichen Problemen führen. Ungeeignetes Werkzeug führt zu einem Splittern der Kralle, was wiederum Entzündungen herbeiführen kann.

Bei ruhigen Tieren ist mit entsprechendem Werkzeug und etwas Beherztheit  ein regelmäßiges Krallenkürzen durch den Tierhalter durchaus möglich. Allerdings sollte vorab eine Einweisung durch einen Tiermediziner erfolgen, um die praktische Handhabung kennen zu lernen. Wer das nicht kann oder will, sollte die Kürzung der Krallen direkt vom Tiermediziner durchführen lassen, wobei dann ein gesundheitlicher Check gleich mit erfolgen kann.

 

Auch bei Hunden mit übermäßigem Krallenwachstum sollte eine regelmäßige Kürzung erfolgen. Die Kürzung kann auch hier durch den visierten Tierhalter erfolgen.Doch auch hier ist Vorsicht geboten.

Auch wenn der ungeschickte Schnitt ins „Leben der Kralle“ zwar keine unmittelbare Lebensgefahr für den Vierbeiner bedeutet, so wird diese Aktion dem Verursacher übel genommen, oftmals ohne zweite Chance. Auch wenn es ein paar Euro kostet, auch hier sollte besser ein Tiermediziner zugezogen werden.


 

Kürzen ohne verletzen - am besten durch den Fachmann!



 

Kürzen der Krallen bei einem Papagei (Quelle: Ziervögel, A.Wedel, Parey Verlag 2004)


Bitte bedenken Sie, dass unsere Tiere eine noch ganz andere, viel intensivere Affinität zu Bewegung, Laufen und Springen haben als wir Menschen. Kaputte, kranke oder zu lange Krallen verursachen dabei Schmerzen, die Ihrem Tier schnell die Lebensfreude nehmen und es zu einem traurigen, sich wenig bewegenden und sicherlich leidenden Lebewesen macht. Lassen Sie es nicht dazu kommen.

Wenn SieFragen zum Thema, oder aus anderen Bereichen haben sprechen Sie uns bitte an,wir helfen Ihnen und Ihrem Tier gerne.

 

Ihre Tierheilpraxis Materia Medica

 

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