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Koprophagie beim Hund - Hilfe mein Hund frisst Sch....!


Viele Hundehalter können ihren Augen kaum trauen,schockiert müssen sie mit ansehen, wie ihr kleiner lieber Wuzzi sich genüsslich über einen Hunde- oder gar Menschenhaufen hermacht und ihn – offensichtlich genüsslich - verspeist bis zum letzten Rest.

 

Pferdeäppel - welch ein Genuss, dafür lohnt es sich etwas zu suchen (Quelle: links: Klaus-Dieter-Strehle/pixelio.de, Mitte u. rechts: M.Grohmann/pixelio.de)


Viele Gedanken schießen dem gleichermaßen besorgten wie angewiderten Hundebesitzer durch den Kopf und das noch vor kurzem stattgefundene intensive Schmusen mit Wuzzi bekommt nun einen bizarren Beigeschmack. 

Verantwortungsvolle Hundeliebhaber fragen sich, ob ihr Liebling jetzt krank wird, sich mit irgendeiner „Seuche“ angesteckt hat und vielleicht sogar ab sofort eine Gefahrenquelle für seine menschlichen Bezugspersonen darstellt. 

Auch die Frage nach dem warum stellt sich, zumal man doch immer besorgt war, dem Vierbeiner gutes und insbesondere mengenmäßig ausreichendes Futter bereit zu stellen. 

Ist es etwa nur eine (eklige) Marotte, eine Art „geistige Macke“ – oder findet es Wuzzi gar nur spannend, wie Herrchen oder Frauchen sich verhalten und aufregen, wenn er die Hinterlassenschaften anderer Artgenossen "entsorgt".


Viele Fragen, Besorgnisse und Unklarheiten, die einen Beitrag zum Thema sinnvoll machen.

 

Koprophagie– aus dem griechischen kommend, bezeichnet den Verzehr von Kot,  entweder des eigenen, den von Artgenossen oder den von anderen Tierarten. Für einige Tierarten ist es lebensnotwendig, eigenen Kot noch einmal aufzunehmen, da ihr Verdauungssystem nicht in der Lage ist, die Nährstoffe beim „ersten Mal“ ausreichend zu resorbieren. 

Die bekannteste Gruppe der  wissenschaftlich bezeichneten „Autokoprophargen“ (Kotfresser) sind die verschiedenen Arten der Nagetiere, angeführt vom beliebten Meerschweinchen bis hin zur Zwergmaus. 

Aber auch Hasen und Kaninchen findet man in dieser Gruppe, ebenso wie die herbivoren und prächtig anzuschauenden Doktorfische (Algenfresser) aus den Riffregionen tropischer Meere.

 

Kaninchen, Doktorfische, Meerschweinchen - alles Autokoprophargen (Quelle: Links Ralf/pixelio.de, rechts: nobbymg/pixelio.de)


Selbst bei Affen bzw. Menschenaffen wie Gorillas kann dieses Verhalten zeitweise beobachtet werden, auch bei ihnen eine Maßnahme, um Nährstoffe besser ausnutzen zu können bzw. bei temporärem Nahrungsmangel.

Hunde gehören jedoch grundsätzlich nicht zu dieser Gruppe, zumal ihre Ernährung auch auf anderen Grundlagen basiert.  Da es dennoch einige unserer Vierbeiner tun, muss es andere Gründe geben.

Beisehr jungen Welpen sind derartige Verhaltensweisen i. d. R. temporär sehr begrenzt und unter dem Kapitel „Jugend forscht“ abzulegen. Meist wird diese Unart schon nach kurzer Zeit abgelegt, insbesondere dann, wenn von Frauchen oder Herrchen keine spektakulären Reaktionen auf dieses Verhalten gezeigt werden.

Ansonsten lernen die kleinen Wollknäuele es sehr schnell, dass man mit „Köttelfressen“ sofort und nachhaltig Aufmerksamkeit erzeugen kann – und dass will so ein kleiner Vierbeiner ja.

 

Neugierde ist bei Hundewelpen oft die Ursache für das Interesse an den Hinterlassenschaften Anderer, oder lässt sich Frauchen damit beeindrucken? (Quelle: links: Verena-N/pixelio.de, rechts: Knipseline/pixelio.de)


Kommen wir nun aber zu den Ursachen mit ernsthafteren Hintergründen, welche oftmals verantwortlich für eine längere oder dauerhafte Koprophagie sind.

 

1. Hygiene

Hunde,die in Verschlägen oder Zwingern gehalten werden, insbesondere unter schlechten hygienischen Bedingungen, können damit beginnen, ihren eigenen Kot zu fressen. Untersuchungen haben gezeigt, dass kein zwingender Zusammenhang zu weiteren negativen Merkmalen einer nicht artgerechten Haltung bestehen muss (z. B. wenig oder schlechte Nahrung, keine Aufmerksamkeit etc.).

Für die Mehrzahl der gehaltenen Hunde in unseren Regionen aber sicherlich kein Thema mehr. 

 

Schlechte und unzureichende Haltungsbedingungen fördern Koprophagie (Quelle: links: Uwe/pixelio.de, rechts: nimkenja/pixelio.de)


2. Alleinsein, Langeweile, fehlende Aufmerksamkeit

Kann für die unter 1 beschriebene Gruppe ein zusätzlicher oder begleitender Grund sein, muss aber nicht. Insbesondere bei Hunden aus sog. Fulltime-Job-Haushalten, welche über Stunden allein gelassen werden, ist diese Verhaltensweise häufig zu beobachten. 

Im Übrigen können bei diesen Hunden noch andere Verhaltensabnormalitäten wie übermäßige Angst, Aggressivität bis hin zu Selbstzerstörungsaktionen auftreten.

Abhilfe schafft hier nur eine grundsätzlich veränderte Haltungsweise mit einem großen Zeitengagement und viel Geduld. (siehe auch Pos. 7) 

 

"Keiner mag mich und Langeweile habe ich auch" (Quelle: Werner-B./pixelio.de)


3. Übermäßige Belastungen und Hochleistungssport

Hunde, die übermäßigen Belastungen dauerhaft ausgesetzt werden, gleiches gilt für den „Hochleistungs-Hundsport“, können diese Verhaltensweise zeigen. Man geht hier davon aus, dass sie damit den übermäßigen Verlust an Mineralstoffen ausgleichen wollen, was natürlich nur unzureichend gelingt.

Dieses Manko ist nur durch spezielle Ernährung (hier reicht es auch nicht, eine „Schüppe Futter“ mehr zu geben) und Zusatz- bzw. Ergänzungsstoffe sinnvoll auszugleichen. Allerdings ist ein Zuviel ebenso zu vermeiden, daher ist hier eine Abstimmung mit einem Tiermediziner/ Tierheilpraktiker (THP) sehr zu empfehlen.

 

Hochleistungssportler benötigen eine besondere Nahrungsergänzung (Quelle: links: Christine-Braune/pixelio.de, rechts: Katjy/pixelio.de)


4. Pankreasinsuffizienz

Eine ernsthafte Erkrankung der Bauchspeicheldrüse kann auch die Ursache für den Verzehr von Kot sein.

Bei dieser Krankheit produziert die Bauchspeicheldrüse unzureichend Verdauungsenzyme 

 

  • Trypsin,Chymotrypsin > zuständig für die Proteinspaltung
  • Lipasen> Fettabbau
  • Amylasen> Kohlenhydratspaltung

Durch Kotfressen soll die Unterfunktion ausgeglichen werden, was natürlich nicht gelingt, die immer heißhungrigen Tiere fressen insgesamt Unmengen, nehmen dabei dennoch ab, da sie nicht in der Lage sind, Nährstoffe der Nahrung ausreichend zu entnehmen. Diese Krankheit ist sehr selten und daher meist nicht die Ursache für eine Koprophagie.

Derartig erkrankte Tiere müssen medizinisch  behandelt werden, es erfolgt regelmäßig eine Zuführung der fehlenden Enzyme von außen, danach ist  ein fast normales Leben wieder möglich. 

 

5. Parasitenbefall

Auch eine starke Verwurmung kann als Reaktion eine Koprophagie auslösen. Meist geht es hier um ungepflegte, frei lebende Hunde, die nie entwurmt wurden (wobei auch nachlässig entwurmte „Familienhunde“ Kandidaten sein können) und sich eine massive Population dieser Endoparasiten im Darm etabliert hat.

Verdauungsprozesse werden empfindlich gestört, Nährstoffe vorenthalten, so dass dieser Mangel durch die „Sonderrationen“ ausgeglichen werden soll. Leider kommt es durch die Kotaufnahme zu weiteren Wurminfektionen (Eier und Larven sitzen ja im Kot) und einer Verschlimmerung der Situation.

Die verschiedenen Wurmarten können auf den Menschen übertragen werden (Zoonose) und Schäden anrichten.

Daher muss schon aus Selbstschutz eine gründliche und regelmäßige (mind. 4 x p. a) Entwurmung oder mindestens Überprüfung durchgeführt werden. Dieses sollte beim Fachmann, z. B. bei einem visierten THP, erfolgen, der beurteilen kann, wann der Hund als „wurmfrei“ gelten kann (meist sind nämlich mehrere Behandlungen erforderlich).

 

Links: Hakenwurm, Mitte: Hakenwurm im Menschen, Rechts: Bandwurm


6. Ernährungsfehler

Futter ist nicht gleich Futter und wird nicht von jedem Hund gleichartig aufgenommen und verdaut. In vielen Futtersorten fehlen einfach wichtige Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, oder sie sind durch Lagerung schon wieder unbrauchbar geworden. 

Hunde, die ihren Kot fressen, haben da sehr häufig Defizite, d. h. sie benötigen ein höherwertiges Futter bzw. Ergänzungsstoffe, um eine ausreichende Versorgung sicher zu stellen.

Allerdings ist es für Tierhalter, die ja auch oft den Verlockungen der Verbraucherwerbung erliegen, nicht immer leicht, eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Und zu oft sind es die bunten Werbebotschaften, die für den (unzureichenden) Futtereinsatz verantwortlich sind.

Von der Futtermittelindustrie wird eine Menge „Müll“ angeboten, fragen Sie daher ihren THP nach hochwertigen Futtersorten bzw. Nahrungsergänzungsmitteln, die speziell für ihren Hund geeignet sind.

Eine unbedachte und nicht passende Zusammenstellung unterschiedlicher  Nährstoff-komponenten kann bei ihrem Tier organische Schäden verursachen, daher ist eine Abstimmung und Beratung sinnvoll und wichtig. 

Fast jeder gute THP bietet in seinem Leistungsangebot eine Ernährungsberatung an, nutzen Sie dieses Angebot.

 

Ernährungsplan - individuell und ausgewogen vom THP


7. Ursachen psychologischer Genese

Bei wenigen Tieren scheint alles in Ordnung zu sein, d. h. die oben beschriebenen Faktoren können ausgeschlossen werden und dennoch wird das Verhalten regelmäßig gezeigt. 

Zeigt der Hund vielleicht noch andere Verhaltens-Auffälligkeiten? In so einem Fall sollte ein Tierpsychologe mit involviert werden, da er durch seine Fachausbildung wertvolle Hilfestellung leisten kann. Eine Hinführung zu einem normalen Verhalten ist mit der notwendigen Konsequenz fast immer möglich.


 

"Nein ich werde die bösen braunen Knödel nicht mehr beachten..."


Begleitet werden können die einzelnen Maßnahmen durch den Einsatz homöopathischer Medikamente, die helfen können, unausgeglichene und durcheinander gekommene Bereiche wieder in Einklang zu bringen. Geeignet wären auch biochemische Therapien. Die Entscheidung, was Erfolg versprechender ist, liegt beim behandelnden  THP. 

Eines muss jedem Halter klar und deutlich sein. Der Umstand eines regelmäßigen Kotfressens birgt viele Gefahren für den Hund und ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Viele Infektionskrankheiten können sehr leicht übertragen werden.

Die Aufnahme von Parasiten ist in jeden Fall zu unterstellen, entweder durch den „Vorbesitzer“ selbst oder nachträglich durch Fliegenbefall (Eiablage im Kothaufen). 

Und obwohl schon „normale“ Darmwürmer massive Schäden und Gesundheits-beeinträchtigungen herbeiführen können, so können noch weitaus schlimmere parasitäre Infektionen auftreten. Daher müssen alle Bestrebungen und Maßnahmen ergriffen werden, um diese gefährliche Unart zu unterbinden.

 

Als Resümee hier noch mal die wichtigsten Punkte: 

 

  • Koprophagie ist bei einigen Tierarten lebensnotwendig, nicht aber bei Hunden
  • Gelegentliche Kotaufnahmen bei jungen Welpen ist als normal zu werten, hier sollte man dieses Verhalten spielerisch unterbinden (ablenken)
  • Bei älteren Hunden muss nach der Ursache geforscht und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden
  • Als Hauptgründe einer Koprophagie lassen sich mangelnde Hygiene, nicht artgerechte Haltung (allein, keine Aufmerksamkeit etc.), körperliche Überlastungen, Pankreasinsuffizienz, Parasitenbefall, Ernährungsfehlerund manchmal psychologischer Genese festhalten
  • Koprophagie ist eine ernst zunehmende Verhaltensabweichung, die ein großes Gefahren-potential für den Hund, aber auch für die Menschen seines Umfeldes bedeutet
  • Eine begleitende medizinische Betreuung (durch einen erfahrenen THP, ggf. unterstützt durch einen Tierpsychologen) ist notwendig und daher unbedingt zu empfehlen

 

Wenn Sie zu diesem Thema Fragen haben oder Ihr Tier diese Verhaltensweise zeigen sollte sprechen Sie uns an wir helfen Ihnen gerne weiter.

 

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Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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