Informationen und Service für interessierte Tierhalter

 

 Hecheln, Röcheln, Atemnot…

- wenn unsere Tiere keine Luft bekommen 

 

Nicht nur an warmen Sommertagen oder bei hohen körperlichen Belastungen kann es bei unseren Tieren zu vermehrtem Hecheln, Röcheln und Schnaufen oder gar Atemnot kommen. Auch außerhalb dieser temporär extremen Ursachen kann man bei manchen Tieren Probleme bei der Atmung beobachten.

 

Hitze, körperliche Anstrengung – für Atemprobleme gibt es auch gesundheitliche Ursachen

 

Seit einigen Jahren ist die Anzahl von „tierischen Patienten“ mit Problemen im Bereich des Respirationstraktes deutlich gestiegen. Dabei versteht man unter dem respiratorischen System den gesamten Bereich der Organe und Atemwege, welche der Atmung dienen.

Der nachfolgende Beitrag soll Informationen hinsichtlich Hintergründe, Ursachen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und dem interessierten Tierhalter die Möglichkeit geben etwas Einblick in diese Thematik zu bekommen. 


Respiratorische Erkrankungen können viele Ursachen haben


Begriffe, Definitionen und Physiologie

   

Jedes Lebewesen benötigt für die Funktionsfähigkeit seines Organismus Sauerstoff. Dieser lebensnotwendige Stoff wird bei unter Wasser lebenden Tieren wie z. B. Fischen  und viele Wirbellosen Tieren durch die Wasseratmung über die Kiemen dem Körper zugeführt.

Bei Menschen, Vögeln, Reptilien und Säugetieren erfolgt dieser Prozess durch Aufnahme (Atmung) der Umgebungsluft über die Lungen, was auch als Lungenatmung bezeichnet wird und Basis für die weiteren Betrachtungen sein soll.  

 

Fische nehmen durch Wasseratmung den erforderlichen Sauerstoff auf, Säugetiere hingegen sind Lungenatmer und nehmen den Sauerstoff über die Umgebungsluft auf


Als Atmung (lat.: Respiratio) wird dabei das Ein- und Ausatmen von Umgebungsluft bezeichnet. Es erfolgt ein Gasaustausch zwischen Umgebung und Blut, Blut und Zellen und der Gastransport durch den Organismus. Sauerstoff wird dem Körper zugeführt, Kohlendioxid wird ausgeschieden.

Es handelt sich um einen wichtigen biologischen Prozess, eine primäre Vitalfunktion ohne die ein Organismus nicht überleben kann.   

  

Hinsichtlich der Atemwege wird zwischen den oberen Atemwegen (Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Mundhöhle und Rachen/Pharynx) und den unteren Atemwegen (Kehlkopf/Larynx, Luftröhre/Trachea, Bronchien, Bronchiolen, Alveolargänge, Alveolen/Lungenbläschen). 


Respirationstrakt einer Katze


Um den erforderlichen Bedarf an Sauerstoff im Organismus sicher zustellen erfolgt die Atemregulation durch das Gehirn (Atemzentrum der Medulla oblongata). Steigt der, durch Rezeptoren gemessene Kohlendioxid im Körper an, so erfolgt ein Atemreiz, also ein gesteigertes Ein- und Ausatmen. Die Atemfrequenz gibt dabei die Anzahl der Atemzüge innerhalb einer definierten Zeitspanne (i. d. R. eine Minute) an. Bei kleinen Lebewesen kann diese Frequenz sehr hoch sein (z. B. Kolibri ca. 250 Züge/Min.), bei großen Tieren (Elefant ca. 6 Züge/Min.) sehr niedrig.

 

Der Kolibri atmet mit rund 250 Zügen/Minute über 40-mal schneller als ein Elefant


Die nachfolgende Übersicht zeigt die Atemfrequenzen (Züge / Min.) verschiedener Haus- und Heimtiere.  Basis hierfür bilden gesunde, nicht adipöse Tiere im Ruhezustand mittleren Alters, die bestehenden Bandbreiten können je nach Rasse, Größe, Alter etc. variieren und dienen daher lediglich als Vergleichsgröße.


Chinchilla                80-120 / Min.         Kaninchen                50-150 / Min.

Degu                      70-110 / Min.          Kanarienvogel          50-100 / Min.

Farbratte                70-115 / Min.          Katze                        25-  35 / Min.

Frettchen               30-  60 / Min.          Maus                         100-220/Min.

Gerbil                     80-100 / Min.          Meerschweinchen     80-130 / Min.         

Goldhamster          30-130 / Min.          Pferd                          9 -  15 / Min.

Graupapagei          30-  50 / Min.         Streifenhörnchen       75 - 85 / Min.

Hund, groß             11-  22 / Min.         Wellensittich              75-  96 / Min.

Hund, klein             18-  30 / Min. 


Im Vergleich hierzu liegt die Atemfrequenz beim erwachsenen Menschen zwischen 

12 – 15 Züge / Min.

Neugeborene Tiere und Welpen haben oftmals eine deutlich höhere Atemfrequenz.

Bei Tieren, welche in der kalten Jahreszeit sich im sog. Winterschlaf/Winterruhe befinden reduziert sich die Atemfrequenz deutlich. So sinkt die Atemfrequenz bei einem Igel von 

50 Züge / Min. auf 13 Züge / Min., bei Fledermäusen können sogar Atempausen von mehr als 60 Min. auftreten.

Tiere die Winterruhe halten, wie z. B. Igel oder Fledermaus, können deutlich ihre Atmung reduzieren

Steigerung der Atmungsfrequenz

 

In bestimmten Situationen ist es erforderlich die Atmungsfrequenz zu steigern. Bei vielen Tieren kann man dann ein deutliches Hecheln beobachten. Beispielsweise atmet ein gesunder Hund im Ruhezustand mit geschlossenem Fang durch die Nase,

gleiches gilt auch für Katzen.

Bei Belastung / Hitze / freudige Erregung / Erkrankungen / Fieber / Schmerzen etc.  kann durch Hecheln die Frequenz auf rund 300 Atemzüge gesteigert werden.

Die Atmung verläuft weiterhin durch die Nase, aber jetzt mit geöffnetem Fang und heraushängender Zunge. Neben einer etwas höheren Sauerstoffzufuhr bzw. Entsorgung von Kohlendioxid wird primär Wasser verdunstet (bis zu 200 ml / Stunde) und so moderat die Körpertemperatur gesenkt.

      

Allerdings kann ein Hund durch Hecheln nur eine Außentemperatur von ca. 27 ° C  ausgleichen. Da Hunde deutlich weniger Schweißdrüsen haben als Menschen bzw. andere Tiere und somit eine Temperaturregulierung nicht über Schwitzen vollziehen können sind sie auf Hecheln angewiesen.   

 

Durch Hecheln mit heraushängender Zunge findet ein effektiver Temperaturausgleich statt


Neben dieser von der Natur sinnvollen Funktionsweise können jedoch verschiedene  andere Ursachen Grund für eine erhöhte Atmung sein, welche nachfolgend beispielhaft angesprochen werden sollen.


Erkrankungen des Respirationstraktes

 

Bei Verdacht einer Erkrankung des Respirationstraktes immer sofort einen Tiermediziner hinzu ziehen

Eine beobachtete Veränderung der Atmung ist oft das erste Anzeichen einer Erkrankung des Respirationstraktes. Kurzatmigkeit, Atemnot, keuchende oder schnelle Atmung sollten daher ernstgenommen und das Tier immer einem Tiermediziner vorgestellt werden.

Der Unterschied zwischen dem oben beschriebenem Hecheln und einer Atemnot (Dyspnoe, griechisch dys = schwierig und pnoe = Atmung) ist dabei folgender.

 








Hecheln: schnelle, aber oberflächliche Atmung welche primär der Kühlung des Körpers dient. Die Zungenfarbe bleibt rosarot.


Dyspnoe: Atmung ist stark angestrengt, der Hund nimmt dabei meist eine ungewöhnliche Körperhaltung ein (z. B. Kopftüberstreckung). Die Zungenfarbe kann von blass-rosa bis blau (in kritischen Fällen) variieren. Es sind i. d. R. laute oder ungewöhnliche Atemgeräusche wahrnehmbar (Pfeifen, Stöhnen, Röcheln etc.). Es kann auch zu (teilweise) explosionsartigen Hustenanfällen kommen, welche aber kaum Erleichterung bringen. Oftmals  ist auch eine pumpende Atmung zu beobachten. Die Tiere haben i. d. R. große Angst und schauen mit weit geöffneten Augen.


Eine unphysiologische (untypische) Atmung wird klassisch in die nachfolgend aufgeführten Typen unterteilt. Für jeden der drei Typen gibt es spezifische, meist gut zu beobachtende Symptome und eine Vielzahl von möglichen Ursachen.


a) Kurzatmigkeit

Symptome

  

Hier kann man gut die Schwierigkeiten beim Atmen erkennen. Bauch und Brust bewegen sich deutlich, die Nasenlöcher werden weit geöffnet, der Fang ist geöffnet, Kopf und Nacken sind überstreckt und flach nach vorne gerichtet, die Ellenbogen werden oftmals nach außen gestellt, Probleme können beim Einatmen inspiratorische Dyspnoe) oder beim Ausatmen (exspiratorische Dyspnoe) auftreten, die Atmung ist laut und gut hörbar.  


Mögliche Ursachen


  • Ursachenbereich Nase (zu klein, spezielle Erkrankungen, Tumore, bakterielle/virale Infektionen, Blutungen etc.)
  • Ursachenbereich Hals und Luftröhre (Probleme hinsichtlich der Anatomie, Tumore, Fremdkörper, Trachealkollaps)
  • Ursachenbereich Lunge (bakterielle/virale Infektionen, Herzinsuffizienz mit Lungenödem, zu großes Herz, Infektion mit Herzwürmern, Tumore, Verletzungen mit Blutungen in der Lunge z. B. nach Unfall etc.)
  • Ursachenbereich Bronchien (bakterielle/virale Infektionen, Allergien, Asthma, Tumore)
  • Ursachenbereich Brustraum /Pleuraraum (Flüssigkeitsansammlungen, Lufteinschließungen/Pneumothorax, Blutansammlungen/Hämatothorax, Tumore etc.)
  • Ursachenbereich Brustwand (Verletzungen/Trauma, Lähmungen durch Insektengifte, Lähmung durch Futtermittel/Botulismus etc.)
  • Ursachenbereich Bauchraum (vergrößerte Leber, aufgeblähter-luftgefüllter Magen, Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum/Aszites etc.) 

       

b) Schnelle Atmung (Tachypnoe)

Symptome  


Atemfrequenz ist deutlich schneller als normal, anders als beim Hecheln ist der Fang meist geschlossen da hier kein Wärmeaustausch stattfinden soll/muss. 


Mögliche Ursachen


  • Niedriger Sauerstoffgehalt im Blut/Hypoxämie
  • Anämie – verminderte Anzahl der Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen
  • Asthma
  • Lungenödeme aufgrund einer Herzinsuffizienz
  • Blutungen in der Lunge
  • Tumore

c) Keuchende Atmung

Symptome


  Die erhöhte Atemfrequenz erfolgt mit meist flachen Atemzügen und offenem Fang, teilweise können Hustenanfälle ein begleitendes Symptom sein. Eine moderate Geräuschbildung ist möglich.


Mögliche Ursachen


  • Schmerzen
  • Medikamente
  • Fieber bzw. hohe Körpertemperatur z. B. bei Belastung
  • Rasseproblem bei speziellen Hunden 

An dieser Stelle sei auch auf die Problematik der Tiere in Raucherhaushalten hingewiesen. Tiere sind zwar keine aktiven Raucher, aber müssen als Passivraucher den Rauch von Frauchen und Herrchen mit aufnehmen. 

Dabei ist der sogenannte Passivrauch (entstehender Nebenstromrauch beim Glimmen in den Pausen zwischen den Zügen) schädlicher als der vom Raucher eingeatmete Hauptstromrauch, da im Nebenstromrauch mehr als 55% des Tabaks verbrennen, dieses aber bei einer geringeren Verbrennungstemperatur, welche mehr Schadstoffe entstehen lässt.

Neben den krebserregenden Bestandteilen enthält Passivrauch auch noch akut toxische Substanzen wie Blausäure und Ammoniak, das Nervengift Nikotin, sowie das Atemgift Kohlenmonoxid.

D. h. die sich im Umfeld befindlichen Tiere nehmen eine recht konzentrierte Menge an belastenden Schadstoffen auf. Aber schon kleinste Belastungen bergen das Risiko der Entstehung von Tumoren wie z. B. Bronchial-, Lungenkarzinom etc.

Außerdem begünstigt Passivrauchen Asthma, Bronchitis, Lungenentzündungen,

Innenohrentzündungen, Austrocknung der Nasenschleimhäute, Augenentzündungen etc. und auch die Lungenfunktionalität (-leistung) wird verschlechtert.

Zu Bedenken ist auch die Tatsache, dass Tiere die im Rauch befindlichen Schadstoffe nicht nur über die Atmung sondern bei der Fellpflege auch oral aufnehmen.

Studien haben gezeigt, dass deutlich mehr Tiere in Raucherhaushalten respiratorische Erkrankungen entwickeln als unter „rauchfreien Bedingungen“.

Wer auf das Rauchen nicht verzichten möchte/kann: es besteht eine Möglichkeit die Gefahren des Passivrauchens für sein geliebtes Tier auszuschließen. Bei Nutzung von E-Zigaretten entsteht kein Nebenstromrauch mit den entsprechenden Schadstoffen, was verschiedene Studien aus dem Jahr 2012 zeigten.


Der Nebenstromrauch glimmender Zigaretten ist für unsere Haustiere besonders schädlich

 

Im Verdachtsfall ist eine sorgfältige Diagnose unverzichtbar



Aufgrund der vielen Symptome und Ursachen respiratorischer Erkrankungen ist eine seriöse und sorgfältige Diagnose unverzichtbar und sollte im Verdachtsfall durch einen Tiermediziner (TA oder THP) durchgeführt werden. 


Da die verschiedenen Erkrankungen des Respirationstraktes oftmals länger behandelt werden müssen (manchmal sind lebenslange Behandlungen erforderlich) und oftmals auch andere Funktions- bzw. Vitalbereiche des Organismus eingeschränkt sind, wären ganzheitliche Behandlungsmethoden, wie sie die Naturmedizin anbietet ideal anzuwenden.

Gerade unter dem Aspekt, dass u. U. Medikamente länger gegeben werden müssen sollten unerwünschte Nebenwirkungen, was oftmals bei schulmedizinischen Mitteln der Fall ist, nicht auftreten. Erkrankungen der Atemwege bzw. Atemorgane können u. a. sehr gut mit Medikamenten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, Homöopathie, Kolloidales Silber, Phytotherapie, Mykotherapie, Biochemie etc. behandelt werden.  


Naturmedizinische Medikamente für eine schonende Behandlung


Diese unterschiedlichen Therapiearten ergänzen sich sehr gut und obwohl sie verschiedene Vorgehensweisen und Ansätze haben so ist das Behandlungsziel doch das gleiche, welches in kombinierter Anwendung jedoch oftmals schneller und nachhaltiger erreicht wird. Ein verantwortungsvoller ganzheitlich arbeitender Naturmediziner (Tierheilpraktiker) wird Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, aber auch bei Notwendigkeit schulmedizinische Behandlungsmethoden empfehlen.

 

Nachfolgend sollen zwei Themenbereiche angesprochen  werden, welche im Zusammenhang mit respiratorischen Problemen stehen.


Problematik der brachyzephalen Hunde- und Katzenrassen

 

Vorab soll definiert werden was bedeutet Brachyzephalie. Hierunter fallen Tiere mit besonders kurzköpfiger Anatomie (griechisch brachys = kurz und kephale = Kopf ==> Kurzköpfigkeit oder auch Rundköpfigkeit).

 

Schäferhund mit normaler Kopfform, Boxer mit brachycephaler Kopfform


Es handelt sich dabei um eine durch Zuchtauslese erbliche Deformation des Schädels, welche je nach Ausprägung zu teilweise erheblichen gesundheitlichen Problemen führt.

Unter den Haustieren sind verschiedene Hunderassen und einige Katzenrassen betroffen. Umgangssprachlich spricht man bei stark betroffenen Rassen auch von Qualzucht, verschiedene Interessensgruppen wie Tierärzte, Tierheilpraktiker, Tierschützer, Tierschutzverbände etc. fordern immer wieder ein Zuchtverbot für derartige Rassen  - bisher leider erfolglos.

Brachycephalie führt in sehr vielen Fällen zu massiven Problemen im Respirationstrakt, insbesondere in den oberen Atemwegen, der Fachausdruck hierfür ist das brachycephale Syndrom.

Die Symptomatik liegt in einer starken Einschränkung bzw. Behinderung der Atmung und auch der Thermoregulation (s. o.). Somit sind einerseits Sauerstoffversorgung als auch Wärmeregulation beeinträchtigt (derartige Tiere sind z. B. deutlich anfälliger für einen Hitzschlag).


Bei der Atmung und Thermoregulation haben Hunde mit normaler Kopfform gegenüber brachycephalen Rassen deutliche Vorteile


Die Ursachen dieser Problematik sind dabei vielfältig. 


  • Verringertes Längenwachstum des Schädels führt zu einer Verengung und Stauchung der oberen Atemwege, da diese sich normal entwickeln und sich nun in dem reduzierten Schädelbereich quasi hinein quetschen müssen.
  • Sehr oft führt das deutlich erweiterte Ausmaß des Knorpels einhergehend mit einer geringeren Beweglichkeit der Nasenflügel zu einer Verengung der Nasenlöcher.
  • Anders als bei „normalköpfigen Rassen“ entwickelt sich im Laufe des juvenilen Phase  die Anatomie der Nasenmuscheln atypisch, d. h. durch sich überlappende Schleimhautschichten kommt es zu belastenden Nasenmuschelwucherungen die ebenfalls die Nasengänge einengen. 
  • Bei brachycephalen Tieren ist das Gaumensegel verdickt und verlängert, was zu einer Einengung des Nasenrachenraumes führt. Die oftmals normalgroße Zunge verengt darüber hinaus auch den Mundrachenraum.
  • Im Bereich des Kehlkopfes treten pathologische Veränderungen auf. Das Kehlkopfskelett ist relativ instabil, insbesondere der Stellknorpel und der Kehldeckel, somit besteht ein erhöhtes Risiko eines Larynxkollaps (Kehlkopfkollaps).
  • Rassespezifische Fehlbildungen können aber auch im Bereich der Bronchien und Luftröhre auftreten. So können die Knorpelspangen der Luftröhre zu weich sein, was zu einem Trachealkollaps (s. hierzu gesonderte Ausführungen unten) führen kann.  


Neben der Atem-Problematik zeigen brachycephale Tiere aber noch weiter Erkrankungsrisiken. Infolge der meist überschüssigen Haut im Gesichtsbereich entstehen Falten, welche die Nasenöffnungen von außen beengen und die Atmung behindern können. 

Außerdem etablieren sich in den Hautfalten oftmals (chronische) Entzündungen.

Die Hautfalten brachycephaler Rassen neigen zu Entzündungen

     

Weitere, oftmals beobachtete gesundheitliche Probleme bei brachycephalen Rassen ergeben sich u. a. aus 


  • (chronischen) Ohrentzündungen
  • Zahnfehlstellungen (mit den entsprechenden Problemen)
  • Wirbelsäulenfehlbildungen (mit anschließenden Folgeerkrankungen)
  • Patellaluxation (Herausspringen der Kniescheibe)
  • Magen-Darm-Beschwerden (durch vermehrtes Ansaugen der Luft und dem dadurch größeren Unterdruck im Brustbereich können Teile des Mageninhaltes in den Brustbereich gesaugt werden. Dieses führt zu einer chronischen Reizung der Speiseröhre und des Magens).
  • Entzündungen der Augen und des Tränenkanals
  • Augapfelvorfall (mit der Gefahr von Hornhautverletzungen)
  • durch die verminderte Belastbarkeit entwickelt sich oftmals eine Adipositas (mit verschieden nachgelagerten Folgeerkrankungen)     

   

Ohrenentzündungen und Zahnfehlstellungen…


… Augenerkrankungen und oftmals Adipositas ein häufiges Problem bachycephaler Rassen

 

Welche Hunde - und Katzenrassen sind betroffen und warum sind sie so beliebt?

 

Hunderassen:                                               Katzenrassen

 

Französische Bulldogge                                  Perserkatzen

Englische/Amerikanische Bulldogge                Exotic Shorthair

Mops                                                               Britsh Shorthair

Pekinesen

Shih Tzu

Boxer

Cavalier King Spaniel

Boston Terrier

Lhasa Apsos

Zwergpinscher

Malteser

Chihuahua

Yorkshire-Terrier

Belgische Zwerggriffons 


Oben und links brachycephale Katzenrassen, unten rechts Norwegische Waldkatze mit normaler Kopfform


Einige der oben aufgezeigten Rassen sind bei Hunde- oder Katzenliebhabern extrem beliebt und gehören zu den häufig gehaltenen Rassen.

So hat der Mops (nicht nur durch Loriot) mittlerweile Kultstatus, Shih Tzu´s, Französische Bulldoggen und Malteser sind die Lieblinge vieler Hundehalter. Und auch die aufgeführten Katzenrassen werden von vielen Katzenliebhabern bevorzugt und häufig gehalten.

Und das alles obwohl viele gesundheitliche Probleme bestehen und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht aufwendige, meist lebenslange medizinische Behandlungen in Kauf zu nehmen. 

Untersuchungen hierzu haben ergeben, dass bei diesen Rassen das sogenannte

„Kindchenschema“ (übergroße Augen und Köpfe, sehr kleine oder fehlende Nasen), also die rundliche Proportion des Kopfes, spezielle emotionale Schlüsselreize bei uns Menschen auslösen kann.

Es werden Urinstinkte wie z. B. Fürsorge-, Beschützer-, Betreuungsinstinkt, die zusammengefasst auch als Brutpflegeverhalten bezeichnet werden, aktiviert. Diese Rassen werden als „süß, niedlich, putzig etc.“ beurteilt und dienen teilweise auch als Kindersatz.

Hinzu kommt der Größenvorteil der aufgeführten, meisten Rassen, welche aufgrund ihrer moderaten Statur auch in Städten oder kleinen Wohnungen zu halten sind.

Dieses Wissen führte dazu, das (verantwortungslose, profitorientierte) Züchter aus ursprünglich gesunden Rassen mit extremen Exemplaren neue veränderte Rassen produzierten.

Ein Beispiel hierfür aus dem Bereich der Hunde ist sicherlich der Mops, der vor rund 100 Jahren mit seinem kurzen aber vorhandenen Fang und einer ausreichend ausgeprägten Nase die o. a. Probleme nicht hatte. Im Gegenteil, Möpse galten als sehr intelligent, agil und athletisch und waren aktive Begleiter des Menschen und nicht wie vielfach heute ein Schoßhund. Die im Volksmund seit langem verwendete Begrifflichkeit „Mopsfidel“ bringt dieses ebenfalls zum Ausdruck – aber für wie viele „moderne Möpse“ der heutigen Zeit ist dieser Begriff  noch anzuwenden?

  

So hat sich der Mops verändert, links alter (Retro-) typ, rechts heutiger Typ


Ähnliches gilt bei den Katzen für die Perser, welche als sog. „Alter Typ“ über eine kleine aber deutlich sichtbare Nase verfügten.

Der „Moderne Typ“ wird auch gerne als Extremperser bezeichnet hat eine stark zurückgezüchtete Nase, welche kaum sichtbar ist.

Auf Katzenausstellungen ist es immer wieder zu beobachten, wie oft diesen Tieren der Augenausfluss entfernt werden muss. Die Nasengänge sind meist so verkleinert, das der natürliche Ausfluss über die Tränenkanäle erfolgen muss.

Diese sind natürlich nicht dafür gemacht und verstopfen bzw. entzünden sich, was dann sehr schnell auf die Bindehaut, Augen etc. übergreift. Oftmals werden vom Tierarzt die Tränenkanäle mechanisch durchstoßen und gespült, eine sehr unangenehme Tortur für das betroffene Tier, die im Extremfall immer wieder wiederholt werden muss.


Links Perser „alter Typ“ mit Nase, rechts Extremperser, die Nase ist kaum mehr vorhanden


Trachealkollaps beim Hund – eine schwere, oft aber beherrschbare Erkrankung

 

Die wissenschaftliche Bezeichnung der Luftröhre ist (lat.) Trachea. Sie ist die Verbindung zwischen Kehlkopf und dem Bronchialsystem der Lunge, also im Respirationstrakt das Leitungssystem der Atemluft.

Sie besteht aus hyalinen Knorpeln, welche von der Knorpelhaut umgeben sind und einer festen Schleimhaut mit Drüsen (Glandulae tracheales), die für eine erforderliche Sekretbildung sorgt. Die Knorpelspangen sind verstärkt damit sie beim Einatmen nicht kollabieren (zusammenfallen).  

Bei einem Trachealkollaps fällt beim Einatmen die Luftröhre in sich zusammen und verengt je nach Schweregrad der Erkrankung den Luftkanal zur Lunge hin.

Zwar ist bekannt, dass dieses durch eine Erweichung der Knorpelspangen  initiiert wird, aber warum es zu einer Erweichung kommt ist bislang noch nicht geklärt. Der Fortschritt dieser Erkrankung wird in vier Graden unterteilt.

 

Grad 1: bis zu 25% des Luftröhrendurchmessers sind reduziert

Grad 2: bis zu 50% des Luftröhrendurchmessers sind reduziert

Grad 3: bis zu 75% des Luftröhrendurchmessers sind reduziert

Grad 4: der Luftröhrendurchmesser ist fast vollständig reduziert 

 


Die zu beobachtende Symptomatik kann sehr unterschiedlich sein. Erkannte Symptome können aber auch von anderen Erkrankungen ausgehen, daher sollte eine gründliche Differentialdiagnose abklären ob nicht eine Entzündung, Infektion, Allergie oder Fremdkörper verantwortlich sind.

Eine Verengung der Luftröhre kann auch durch Vergrößerungen der Lymphknoten, Schilddrüse, Nebenschilddrüse erfolgen und auch Abszesse oder Ödeme im Umfeld der Luftröhre können eine Verengung herbei führen.

Bei einigen, wenigen Hunderassen kann diese Erkrankung genetisch bedingt infolge einer Wachstumsstörung der Trachea auftreten (z. B. Engl. Bulldogge, Boston Terrier).


Boston Terrier und Englische Bulldogge können genetisch bedingt eine Wachstumsstörung der Trachea (Luftröhre) haben


Obwohl ein Trachealkollaps lange Zeit (Beginn der Erkrankung) symptomlos bleiben kann so entwickeln sich die Auffälligkeiten mit Fortgang der Erkrankung meist sehr deutlich.

Die auffälligsten Symptome sind spontane und anfallartige Hustenanfälle, ein tracheales Atemgeräusch (Brummtöne), eine erhöhte Atemfrequenz und zunehmend Atembeschwerden.

Zunehmend sinkt die Belastungsfähigkeit während die Wärmesensibilität steigt.

Eine entsprechende Diagnose ist oftmals durch einfaches Abtasten (Palpation) möglich, die weichen Knorpelspangen sind gut fühlbar, außerdem wird oft der klassische Husten ausgelöst.

Weitere Diagnosemethoden sind Röntgen der Luftröhre oder durch Endoskopie.

Aufgrund der unzureichenden Erkenntnislage dieser Erkrankung gibt es keine finale, ausheilende Standarttherapie.

 

Schulmedizinisch werden Medikamente verabreicht welche einzelne Symptome lindern (z. B. Antibiotika, Cortison, Sedativa zur Beruhigung etc.).

Experimentell wurde versucht durch Setzung eines Stens eine passive Stützung der Luftröhre zu erzielen, was aber nicht in jedem Fall möglich ist.

In einigen Fällen war dieses erfolgreich, letztendlich konnte sich diese Therapie aber aus den sehr hohen OP-Kosten nicht etablieren.

Im Rahmen einer ganzheitlichen naturmedizinischen Behandlung ist die Zielrichtung auf den ganzen Organismus gerichtet.

Die Ansatzpunkte hierbei sind:


  • Stabilisierung und Stärkung des Immunsystems
  • Behandlung der auftretenden Symptome mit nebenwirkungsfreien Mittel
  • Entlastung des Organismus durch Ausleitung von Schadstoffen
  • Anwendung eines geeigneten Ernährungsmanagement
  • Angepasstes Bewegungskonzept
  • Regelmäßige medizinische Kontrollen 



Mit Konsequenz und Engagement ist diese Erkrankung bei den meisten Patienten relativ lange beherrschbar und vermindert die normale Lebenserwartung nicht oder kaum. 

Viele ergänzende aber umso wichtigere Maßnahmen kann jeder Tierhalter selbst durchführen.

   

Hierzu zählen: 


  • Nutzung eines Brustgeschirrs anstelle Halsbands
  • Vermeidung übermäßiger Anstrengungen
  • Vermeidung von zu großer Hitzeeinwirkung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Vermeidung von Belastungen mit Tabakrauch  
  • Vermeidung von Stress und Aufregung  

     

Viele Maßnahmen können durch Frauchen oder Herrchen selbst durchgeführt bzw. eingeleitet werden


Eine leistungsfähige Atmung als eine der wichtigsten Vitalfunktion ist die Basis für den Erhalt einer guten Lebensqualität. Ist dieses nicht gegeben oder eingeschränkt folgen der ursächlichen Erkrankung vielseitige Sekundärerkrankungen, was den allgemeinen Gesundheitszustand  massiv verschlechtern und zu einem vorzeitigen Tod führen kann.

Erkrankungen des Respirationstraktes sind dabei vielfältig – komplex und erfordern (möglichst frühzeitig) eine seriöse Diagnose, eine effektive und belastungsfreie Therapie und gegebenenfalls eine angepasste Haltung.

Dieses gilt umso mehr bei besonders gefährdeten Tieren wie den brachycephalen Rassen.

Da sich viele Erkrankungen aus diesem Bereich sehr schnell entwickeln und chronische Verläufe annehmen können sollte im Verdachtsfall sehr zeitnah ein Tiermediziner hinzu gezogen werden.

Hier mit Empfehlungen aus Internetforen oder Behandlungsvorschlägen aus anderen Medien zu arbeiten ist im Sinne des Tieres unverantwortlich.

Bei einer frühzeitigen und geeigneten Behandlung sind meist gute Prognosen möglich, dieses sollten Sie Ihrem Tier ermöglichen.

Letztendlich sollte unser gemeinsames Ziel dem Wohlbefinden und der Erhaltung einer akzeptablen und guten Lebensqualität dienen.

 

Wohlbefinden und eine gute Lebensqualität – das ist unser gemeinsames Ziel


Falls Sie Fragen zum Thema haben, oder Ihr Tier eine derartige Problematik zeigt und diese behandelt werden soll, können Sie uns gerne ansprechen.

 

  

Ihre Tierheilpraxis Materia Medica 

 

Kontakt:   

Tierheilpraxis Materia Medica

Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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Do 

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Sa

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Und nach Vereinbarung.

 

Um Wartezeiten zu vermeiden bitten wir um eine telefonische Terminabsprache.

 

Hausbesuche nach Vereinbarung.