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Gliederschmerzen - wenn die Knochen und Gelenke weh tun

 

Hunde sind Meister der Bewegung. Rennen, spielen, springen und miteinander balgen gehören in ihre Welt wie die tägliche Nahrung.

 

Herumtollen in der Luft und gern zu Wasser - was gibt es schöneres? (Quelle: links: Hoppe/pixelio.de, rechts: Regina Katutge/pixelio.de)


Ihre Beweglichkeit haben unsere Vierbeiner von ihren wilden Vorfahren geerbt, die ohne diese Eigenschaften nicht überlebt hätten und ausgestorben wären. Schaut man sich einen laufenden Wolf an, mit welchen federnden Bewegungen er im Lauf  Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h erreichen vermag, so kann man kaum glauben, dass auch dieser perfekte Bewegungsapparat krank werden kann.

 

Der Wolf, Stammvater aller Hunde (Quelle: Kurt Bouda/pixelio.de)


Bei den Wildtieren, insbesondere bei Rudeltieren, wozu ja unsere Hunde gehören, würden Bewegungseinschränkungen den sicheren Tod bedeuten, sie würden von ihrer Gruppe ausgesondert und hätten als krankes Einzeltier kaum eine Chance. Die oft gezeigte Tapferkeit kranker Hunde ist daher ein Verhaltenserbe der Vergangenheit, was - gepaart mit der ohnehin deutlich höheren Schmerztoleranz - leider dazu führt, dass Krankheiten erst spät von uns Menschen erkannt werden. Daher sollten durch Herrchen oder Frauchen beobachtete Verhaltensänderungen frühzeitig hinterfragt und abgeklärt werden. Wenn wir von „schmerzenden Gliedmaßen“ sprechen, meinen wir meist unsere Gelenke, die neben den Knochen, der Muskulatur und dem Bindegewebe den sog.Bewegungsapparat ergeben. Für schmerzfreie Bewegungen ist dabei eine reibungslose Funktion notwendig, um so die notwendige Flexibilität zu erzielen. Erst durch Gelenke werden Gliedmaßen beweglich. Sie bilden die bewegliche Verbindung zweier Knochen, unterstützt durch Sehnen, Bänder und Knorpel und bewirken auch eine „Stoßdämpferfunktion“ auf Zug- und Druckkräfte, insgesamt eine recht komplizierte Angelegenheit - und das rund 100 mal je Hund.

 

Skelett eines Hundes

 

Um Gelenke funktionstüchtig zu halten, muss neben einem „rassegerechten Bewegungsangebot“ die eigene Regenerationsfähigkeit, d. h. ausreichende Ernährung mit einer Vielzahl von Nährstoffen und Spurenelementen, aufrecht erhalten werden. 

Leider gibt es einige Umstände, die diese Fähigkeit einschränken bzw. zum Erliegen bringen. Die Hauptgründe hierfür sind: 

 

  1. Genetische (vererbte) Dispositionen
  2. Wachstumsstörungen
  3. Unzureichende Ernährung
  4. Verletzungen/Unfälle
  5. Übermäßige/falsche Belastungen
  6. Stoffwechselerkrankungen
  7. Fortschreitender Alterungsprozess


1. Genetische (vererbte) Dispositionen 

Auch wenn sich alle unsere Rassehunde auf Ihren Stammvater, den Wolf, zurück führen lassen, so hat sich das Erscheinungsbild der Urform, durch Menschenhand gesteuert, doch sehr unterschiedlich weiterentwickelt; man denke nur an Zwergdackel oder Bernhardiner.

 

Eigentlich bin ich ja ein Wolf (glaub ich) mein Herz ist jedenfalls so groß wie das meines großen Bruders! (Quelle: Volker Ruckelshauss/pixelio.de)


Zwar hat sich an der Lust auf Bewegung bei unseren unterschiedlichen Rassen nichts verändert, sehr wohl aber an vorhandenen Einschränkungen und rassetypischen Dispositionen hinsichtlich einer Erkrankung des Bewegungsapparates. Man denke nur an die Dackel und Bassets, die durch ihren langen Rücken für Bandscheibenvorfälle (Dackellähme) prädisponiert sind. Große und schnellwüchsige Rassen, wie z. B. Schäferhund, Hovawart, Rottweiler etc. neigen zur gefürchteten HD (Hüftgelenkdysplasie) oder auch Knorpelwachtsumsstörungen.

 

Rottweiler und Schäferhund - viele Tiere leiden an Erkrankungen des Bewegungsapparates (Quelle: links: Bellis/pixelio.de, rechts: Wotan/pixelio.de)


Auch gehört die häufig zu diagnostizierende Patellaluxation (Verrenkung der Kniescheibe, oft schon bei geringsten Beanspruchungen) bei kleinwüchsigen Rassen wie Terrier, Pinscher, Pudel, Shih-Tzu etc. zu den sog. „angeborenen“ Prädispositionen“, es wurde ihnen also in die Wiege gelegt.

 

Auch unsere kleineren Hunderassen können spezielle Erkrankungen am Bewegungsapparat bekommen (Quelle: links: Regina Kautge/pixelio.de, Mitte: Ich/pixelio.de, rechts: Angelina Ströbel/pixelio.de)


2. Wachtstumsstörungen 

An dieser Stelle soll nicht auf spezielle Krankheiten, die während der Wachstumsphase auftreten können, wie z. B. Hyperthrope, Osteodystrophie, Osteochondrose etc., eingegangen werden. 

Der Focus soll eher auf Maßnahmen liegen, die durch den Halter und Liebhaber von Hunden herbeigeführt oder verhindert werden können. Es ist immer wieder deutlich darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung und spätere Gesundheit eines Hundes unmittelbar durch die Versorgung im Welpenalter geprägt wird. 

Das bedeutet Gabe eines speziellen, geeigneten Aufwuchsfutters (egal, welcher Rasse der Welpe angehört, auch Bernhardinerwelpen benötigen Welpenfutter – nur vielleicht etwas mehr!). 

Zusatzstoffe, Ergänzungsmittel etc. müssen vor Gabe mit einem Tiermediziner  besprochen werden. Unter dem Motto „viel hilft viel“ haben viele Welpen eine Kalziumüberversorgung, einen Phosphatüberschuss etc., dagegen fehlen z. B. oft bestimmte Vitamine, Spurenelemente und essentielle Fettsäuren, was empfindlich einen gesunden Entwicklungsprozess stören kann. Ausgesprochen problematisch ist ein herbeigeführtes Problem, die Wachtstums-beschleunigung durch Überfütterung der Welpen. 

Knochenlänge und Gewicht entwickeln sich abnorm und begünstigen z. B. HD und andere Erkrankungen. Nochmals unsere dringende Empfehlung: für den relativ kurzen aber entscheidenden Zeitraum der Entwicklung eines jungen Hundes muss eine entsprechend individuell aufgestellte Fütterung sichergestellt sein, lassen Sie sich hierzu von einem Tiermediziner (und nicht vom netten Verkäufer von „Futterdiscount“) beraten. 

 

Preiswert - aber auch geeignet?? (Werbefoto)


3. Unzureichende Ernährung 

Was für den Entwicklungsprozess gilt (juvenile Phase), gilt grundsätzlich auch für die sich anschließende adulte Phase. Allerdings sind hier die Zeiträume länger, dennoch sollte alters- und belastungsgerecht ernährt werden. 

Bei der Futtermittelauswahl sollten dabei Wunschvorstellung (Waldi ist ein ganz doller Athlet, der jeden Tag 5 Stunden Agility  macht und kaum müde zu bekommen ist) 

von der Istsituation (Waldi liegt am liebsten 5 Stunden durchgängig im Körbchen und nervt dann durch stärkste Hungergefühle) klar getrennt werden, damit es zu keiner Fehlernährung unseres Draufgängers kommt. 

Dieses wird umso wichtiger, wenn im Zeitverlauf die senile Phase erreicht wird. Hier ist oftmals eine völlig andere Ernährung notwendig, angereichert mit entsprechenden Zusatzstoffen, welche die Vitalität im Alter erhalten sollen. Da im Zeitverlaufder gesamte Organismus gealtert ist, Organfunktionen nachgelassen haben und auch der Stoffwechsel nicht mit dem eines jungen Hundes vergleichbar ist, wären nicht geeignete, womöglich überdosierte „Zusatzstoffe“ schädlich für den Senior. Auch hier sollte eine Abstimmung mit einem Tiermediziner erfolgen, um die Gesundheit lange zu erhalten.

 

4. Verletzungen / Unfälle 

Leider sind Unfälle mit Verletzungen am Bewegungsapparat nicht immer zu verhindern. Trotz aller Mühen, Vorsicht und Aufmerksamkeit treten Situationen auf, wo es dann geschehen ist, der Einsatz eines Tiermediziners wird notwendig. 

Meist ist durch die Behandlung der Patient bald wieder der alte, manchmal bleiben aber Einschränkungen dauerhaft zurück, worauf sich das Tier in der Regel aber gut einstellen wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich hiermit auch Herrchen oder Frauchen arrangieren können (ein dreibeiniger Hund kommt mit seiner Situation durchaus zurecht, aber was sagt sein chices Frauchen dazu?). 

 

Victor kommt trotz seines Handicaps - auch mit anderen Hunden - gut zurecht (Quelle: Dagmar Seitz)

 

Auch Willy (links + Mitte) und Mitcho (rechts) sind lebensfrohe Zeitgenossen (Quelle: links + Mitte: Tierschutzverein Würzburg e. V., rechts: Tierheim Oelzschau)


Eine in den letzten Jahren sehr zu begrüßende Entwicklung ist die ansteigende Zahl von speziell ausgebildeten Tierphysiotherapeuten. Gerade die Nachversorgung bzw. Mitbehandlung (meist in Zusammenarbeit mit Tierheilpraktikern) lassen bei Erkrankungen am Bewegungsapparat günstige Prognosen zu. 

 

Tierphysiologin bei der Arbeit


5. Übermäßige / falsche Belastungen 

In unseren Breiten sind die Zeiten der Tierausbeutung in Form von schwerer „Hundearbeit“ (Lastenziehen etc.) vorbei. Die meisten Hunde werden heute aus Liebhaberei gehalten, sie haben einen festen Einzug in unsere Lebensabläufe vorgenommen, Herrchen oder Frauchen verbringen relativ viel, zumindest geregelt, Zeit mit den Vierbeinern. 

Für einen naturliebenden Menschen, der gerne draußen ist, kommt ein entsprechender Vierbeiner wie gerufen. Nur sollte es dann auch die richtige Rasse sein bzw. sollte dann die Belastung entsprechend dosiert werden. 

So wird ein leidenschaftlicher Marathonläufer mit einem kleinen Shih-Tzu und umgedreht wenig anfangen können. Dennoch gibt es Fälle der Überbelastung von Hunden, meist jedoch durch Kinder oder fehlender Umsicht. Zu grobes Spielen, zu viel laufen, springen etc. können mit entzündlichen Prozessen an Gelenken, Bänder Sehnen und Muskeln enden. Meist regeneriert sich dieser Zustand nach ein paar Tagen Schonung von selbst, bei anhaltenden Beschwerden muss der Tiermediziner zugezogen werden. Eltern sollten auf ihre Kinder achten, die oftmals noch kein Gefühl dafür entwickelt haben, was Lumpi zu zumuten ist. 

 

Als "sportlicher Begleiter" ist nicht jeder Hund geeignet! (Quelle: Regina Kautge/pixelio.de)


6. Stoffwechselerkrankungen 

Trotz entsprechender Ernährung und Haltung kann es bei jungen Hunden zu einer Unterversorgung der Gelenke kommen. Diese erfreulicherweise sehr wenigen Fälle sind auf Erkrankungen im Stoffwechselprozess zurück zu führen. Letztendlich wird dem Organismus alles Notwendige zur Verfügung gestellt, aber er kann es nicht oder nur unzureichend verwerten und einsetzen. In der Regel ist die Diagnose aufwendig und auch nicht kurzfristig möglich. Hat man jedoch die Ursache einmal lokalisiert, sind erfolgreiche Behandlungsabläufe möglich. 

 

7. Fortschreitender Alterungsprozess 

Eine fast natürliche Entwicklung im Rahmen des Alterungsprozesses sind die Wehwehchen im Bewegungsapparat. In der Regel besteht ein multifaktorieller Zusammenhang mehrerer Ursachen. Bekommt ein älterer Hund ungeeignetes Futter, womöglich in zu großen Mengen ohne die für ihn notwendigen Zusatzstoffe, und erfolgt nun eine spontane Überbelastung (Kinder zu Besuch toben mit dem stabilen Senior), so kann dies zu einer akuten Krankheit (Überlastung, Überdehnung, Zerrung, Prellung etc.) führen. Aber auch ohne eine plötzliche Aktion können sich Schäden einschleichen.

 

Regelmäßige aber angepasste Sparziergänge tun gleichermaßen Zweibeinern wie Vierbeinern gut (Quelle: Kathrin Frischemeyer/pixelio.de)


Eine schlechte bzw. verminderte Gelenkversorgung plus Überlastung durch Übergewicht erhöht den ohnehin eingetretenen Verschleiß, der im Zeitablauf immer schmerzhafter wird.

 

Geeignete Maßnahmen zur Gegensteuerung wären: 

 

  • akute Entzündungsprozesse möglichst unbelastend behandeln
  • Erstellungeines geeigneten Ernährungsplans mit allen notwendigen Zusatzstoffen
  • Erreichung/Halteneines geeigneten Körpergewichtes
  • Erstellungeines geeigneten und altersgerechten Bewegungsplans
  • Verhinderungvon spontanen Überlastungen
  • Regelmäßige (quartalsmäßige) Vorstellung beim Tiermediziner
  • Falls notwendig und Erfolg versprechend: Hinzuziehung eines Tierphysiotherapeuten

 

Hunden mit Erkrankungen des Bewegungsapparates werden uns Tiermedizinern oft vorgestellt. Es ist dabei traurig mit anzusehen, wie oft sich der Patient quält, Schmerzen hat und das früher so geliebte Gassi gehen meidet.   

Der Hundebesitzer hat die Aufgabe, seinem vierbeinigen Freund eine hundegerechte Lebensqualität zu bieten, wozu auch die Beweglichkeit gehört. Damit die Entwicklung von jung nach alt richtig verläuft, müssen bestimmte Anfangsmaßnahmen eingeleitet werden – dieses gilt es, beim Welpen bzw. jungen Hund zu tun.

Die kontinuierliche Sicherstellung notwendiger Rahmenbedingungen muss gewährleistet werden - dieses gilt insbesondere bei älteren Hunden.

Unvermeidbare Veränderungsprozesse müssen berücksichtigt werden, Lebensprozesse dem physiologischen Alter angepasst und ggf. unterstützende Maßnahmen für ein lebenswertes Hundeseniorenalter durchgeführt werden – hierfür dankt der Hundesenior mit einem frohen und vergnüglich-langen Leben.

Hilfestellungen bekommen Sie vom Tiermediziner, insbesondere Tierheilpraktiker mit einem  ganzheitlich orientierten Therapieansatz können Ihnen bei der Sicherstellung der o. a. Maßnahmen und Forderungen helfen.

 

Freude am Leben - Vital in jedem Alter - das muss unser Ziel sein! (Quelle: links: Jerzy/pixelio.de, Mitte: R.Schmidt/pixelio.de, rechts: Uwe Schwarz/pixelio.de)

 

Wenn Sie Fragen zu diesen Thema haben - sprechen Sie und an.

 

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Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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Do 

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Sa

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Hausbesuche nach Vereinbarung.