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Gingivitis & Co. - wenn Fressen zur Qual wird 


Schon seit einiger Zeit haben Sie beobachtet, dass Ihr Hund bzw. Ihr Stubentiger deutlich weniger frisst und vielleicht sogar schon an Gewicht verloren hat.

Sie wundern sich, dass Ihr Vierbeiner immer wieder zum gefüllten Futternapf hin läuft, sich dann aber wieder abwendet oder das früher gern gefressene Futter anknurrt oder anfaucht.

 


Auch die Futteraufnahme hat sich verändert, das Futter wird anders aufgenommen bzw. komisch gekaut, oft wird es nach Aufnahme wieder fallen gelassen.

Und dann kommt noch der intensive und bestialisch riechende Mundgeruch hinzu. 

Vielleicht erscheint Ihnen Ihr Tier auch schlapp oder kränklich ohne weitere Symptome bzw. äußerlich erkennbare Anzeichen einer Erkrankung.

Und wieso scheint simples Gähnen dem Tier Schmerzen zu verursachen?

Ursache hierfür könnte(n) eine/mehrere Erkrankung(en) im Maul-/Rachen-/Zahnbereich sein, was auch im Fachjargon als Gingivitis-Stomatitis-Pharyngitis-Komplex (GSP) bezeichnet wird und zu den sehr häufig auftretenden Erkrankungen bei Hund und Katze gehört.

Da diese Erkrankungen überaus schmerzhaft und oft Ursache für etliche Folgeerkrankungen (Sekundärerkrankungen) sind, macht es Sinn, dieses Thema etwas genauer zu betrachten.

 

Tiere mit Gingivitis sind richtig krank und leiden sehr!


Erkrankungen des Maul-Rachen-Raumes

 

Der lebensnotwendige Prozess der Verdauung und Nährstoffaufnahme beginnt bei der Futteraufnahme, also im Maulbereich des Tieres. Die aufgenommene Nahrung wird hier auf die physiologisch richtige Größe zerkleinert, wobei Katzen i. d. R. die Futterbrocken deutlich intensiver zerkleinern, während Hunde eher dazu neigen, größere Brocken herunter zu schlingen.

Verschiedene Drüsen produzieren Speichel, der anders als bei vielen Pflanzenfressern keine Verdauungsenzyme enthält und lediglich als „Gleitmittel“ für die zerkleinerten Futterbrocken dient.

Kommt es zu Erkrankungen im Maulbereich, wird der reguläre Verdauungsprozess gestört, es kann zu einer geringeren Nahrungsaufnahme kommen, weitere Sekundärerkrankungen können sich einstellen.

Die Zahnfleischentzündung (Gingivitis, Entzündung der Gingiva = Zahnfleisch) ist dabei eine häufige, oftmals chronische Erkrankung, die nahezu bei jedem Hund und jeder Katze einmal, mehrmals oder dauerhaft auftritt. 

Diese Erkrankung kann dabei als Folge (Sekundärerkrankung) einer anderen Erkrankung auftreten (z. B. Zahnsteinbildung) oder aber auch Ursache (Primärerkrankung) sonstiger Erkrankungen im Maul- Rachenraum bilden. 

 

Gingivitis-Stromatitis bei Katze und Hund (Quelle: links + Mitte: Katzen-Krankheiten, Kraft Dürr, rechts: Praktikum der Hundeklinik, Niemend/Sutter)


Die nachfolgende Übersicht zeigt häufige Erkrankungen im Maul- Rachenbereich bei Hund und Katze: 

 

  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Gingivahyperplasie (Schwellung/Wucherung des Zahnfleisches)
  • Epulis (meist solitär auftretende, tumorähnliche Wucherung des Zahnfleischgewebes)
  • Konkremente (Zahnstein – Calculus dentalis)

            - Parodontitis (Erkrankung des Zahnhalteapparates)

         - Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) 

 

  • Pharyngitis (Entzündung der Rachenschleimhaut)
  • Peridonditis (Entzündung der Zahnwurzelhaut)
  • FORL (Feline odontoklastische resorptive Läsion) (tritt nur bei Katzen auf)
  • Karies (Zahnfäule) (bei Hunden)

 

Links: Zahnbeläge und Schwellung des Zahnfleisches, rechts: hochgradige Gingivitis (Quelle: Katzen-Krankheiten, Kraft/Dürr)


 Symptome und Verhaltensweisen bei einer Gingivitis 

 

Die nachfolgend aufgezeigten Symptome und Verhaltensauffälligkeiten können auch Ursache einer der o. a. Erkrankungen sein. Da oft auch kombinierte Erkrankungen auftreten können, ist eine Abklärung bei einem Tiermediziner zwingend erforderlich und sollte bei Verdacht bzw. Auftreten der beschriebenen Symptome zeitnah erfolgen (eine Gingivitis kann sich innerhalb von 48 Stunden entwickeln).

 

Lokale Symptome

 

Das Zahnfleisch kann deutlich gerötet und/oder geschwollen sein, es zeigt sich meist die charakteristische blutrote Linie (an der Unterkante) des Zahnfleisches am Übergang zu den Zähnen.

Temporär können sich Blutungen zeigen oder es kann zu auch Eiterbildung kommen. Oft ist eine vermehrte Speichelbildung zu beobachten, fast immer ist ein übler Mundgeruch (Foetor) festzustellen. Zeitgleich können sich Zahnstein bzw. Zahnbelege zeigen, was aber nicht die Ursache einer Gingivitis sein muss (trifft meist bei Hunden zu).
 

Gut sichtbar der typische rote Saum am Übergang Zahnfleisch zu Zahn (Quelle: Katzen-Krankheiten, Kraft/Dürr)


Verhaltensauffälligkeiten

 

Anfänglich: Tiere reiben/kratzen sich mit der Pfote über ihr Maul oder reiben sich an Gegenständen, optisch zeigen sie noch keinen Krankheitssymptome

 

Später: Fressen wir zögerlich aufgenommen, eine Kopfschiefhaltung beim Fressen wird oft gezeigt. Das Kauverhalten hat sich geändert, oft wird das Futter einseitig zerkleinert. Harte Futtermittel (Trockenfutter, Kausnacks etc.) werden gemieden oder werden urplötzlich während des Kauprozesses fallen gelassen. 

Beim Gähnen wird der Unterkiefer klappernd bewegt, erste Schmerzäußerungen sind zu beobachten. Bei Katzen zeigt sich oft ein reduziertes Pflegeverhalten, der Allgemeinzustand verschlechtert sich zunehmend. 

 

Herzhaftes Gähnen - bei Gingivitis oft nur mit Schmerzen (Quelle: Heide Krause/pixelio.de)


Final: Tiere nehmen kaum noch Futter auf, es bildet sich eine nachhaltige Appetitlosigkeit. Die wenigen Futteraufnahmen sind schmerzhaft, Futtermittel werden angeknurrt bzw.angefaucht. Ohne Behandlung setzt ein kräftezehrender Abbauprozess ein, dasTier wird zunehmend schwächer und verliert an Gewicht. 

Durch die allgemeine Schwächung des Immunsystems können sich verschiedene parallele Infekte einstellen, die als Summe lebensbedrohlich werden können. Das allgemeine Erscheinungsbild des Tieres ist schlecht bis erbärmlich, es zeigt nun deutlich, dass eine nachhaltige Erkrankung vorliegt. 


Ursachen einer Gingivitis

 

Mögliche Ursachen einer Gingivitis bzw. Erkrankungen des GSP-Komplexes sind vielschichtig und nicht generell auf eine Ursache abzuleiten. Dabei sind auch Unterschiede zwischen Hunde und Katzen feststellbar.

Während bei Hunden oftmals Zahnbelege bzw.Zahnstein ursächlich sind, so trifft dieses bei Katzen nur bedingt zu.

Bei Hunden sind manchmal auch Verletzungen durch Fremdkörper (Steine, Stöcke etc.) ursächlich. Auch kann das Fressen von Kot (Koprophagie) eine Zahnfleischentzündung hervor rufen. Bei einigen Hunderassen können Gebissdeformationen (Engstand der Zähne) Auslöser sein. Bei Katzen sind eher Infektionen, genetische Dispositionen oder organische Erkrankungen Ursache einer Gingivitis).

Die nachfolgende Übersicht zeigt mögliche Ursachen einer Gingivitis (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) 

 

  • Konkremente (Zahnbeläge/Zahnstein)
  • Mechanische Verletzungen
  • Koprophagie
  • Zahnfehlstellungen (Gebissdeformationen)
  • Bakterielle Infektionen (z.B. Plaque)
  • Virale Infektionen (z.B. Caliciviren, Herpesviren, FIP; FIV, FeLV u. a.)
  • Pilzinfektionen
  • Genetische Dispositionen (wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dennoch zeigen sich bei einigen Zuchtlinien entsprechende, gehäufte Auffälligkeiten)
  • Mangel- und Fehlernährung
  • Organische Ursachen (Diabetes mellitus,Nierenerkrankung/Urämie, Hypoparat-thyreoidismus/Unterfunktion der Nebenschilddrüse, Hypothyreose/Unterfunktion der Schilddrüse, Hyperthyreose/Schilddrüsenüberfunktion)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Allergien
  • Vergiftungen, Verätzungen 
  •  

    Calculus dentalis (Zahnstein) kann Ursache oder Folge einer Gingivitis sein (Quelle: Katzen-Krankheiten, Kraft/Dürr)


    Mögliche Folgen eines unbehandelten Krankheitsverlaufes

     

    Neben den schon beschriebenen allgemeinen Krankheitserscheinungen wie Abmagerung, Schwäche, Infektanfälligkeit können schwerwiegende Organerkrankungen Folge einer Gingivitis sein. Insbesondere die stark durchbluteten Organe (Niere, Leber Herz) können z. B. durch bakterielle Giftstoffe geschädigt werden. 

    Im Maulbereich selbst können neben Zahnverlusten auch Schädigungen bis zur völligen Zerstörung des Kieferknochens eintreten.

    Bei Tieren ohne (bzw. rechtzeitige) medizinische Versorgung ist die Prognose infaust. Aufgrund des Entwicklungsverlaufes des Krankheitsbildes (insbesondere bei den zu erwartenden Folge- und Begleiterkrankungen) ist kaum mit einer mittelfristigen Überlebenschance zu rechnen. Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung ist die Prognose hingegen als günstig zu beurteilen 

     

    Diagnose einer Gingivitis 

     

    Bei Verdacht bzw. anfänglichem Symptomverlauf sollte die Vorstellung bei einem Tiermediziner erfolgen. Nur durch Einleitung einer rechtzeitigen Behandlung lassen sich weitere Erkrankungen und Schädigungen begrenzen und aufhalten. Eine gründliche allgemeine Untersuchung und Inspektion der Maulhöhle gibt Aufschluss hinsichtlich des Ausmaßes der Erkrankung.

     

    Eine genaue Inspektion der Maulhöhle zeigt ob eine Gingivitis vorliegt (Quelle: Anamnese und körperliche Untersuchung kleiner Haustiere, Rijnberk/de Fries 2004)

     

    Behandlungsmöglichkeiten einer Gingivitis und anderen Erkrankungen aus dem GSP-Komplex

     

    Der schulmedizinische Ansatz sieht den Einsatz von Antiphlogistika, Antibiotika, Hormontherapien, Cortisongaben, Interferongaben und als letzte Möglichkeit Entfernung aller Zähne vor. 

    Je nach Ursache der Erkrankung sind die o. a. Behandlungsmöglichkeiten mehr oder weniger ungeeignet bzw. sogar kontraproduktiv (z. B. Cortison bei einer Virusindizierten Gingivitis). Auch sind viele Fälle bekannt, wo nach einer kompletten Zahnextraktion weiterhin eine Gingivitis bestand.

     

    Cortisoninjektionen oder Antibiotikatabletten - nicht immer die richtige Therapie bei Gingivitis & Co. (Quelle: BloodyMary/pixelio.de)


    Der naturmedizinische Ansatz versucht hingegen der Erkrankung ganzheitlich beizukommen. Dabei werden die Selbstheilungskräfte des Tieres aktiviert, verstärkt und eingesetzt. Dieses kann je nach Fall und Indikation unterschiedlich sein.

    Oftmals führen kombinierte naturmedizinische Therapieverfahren zum Erfolg.

    So haben sich z. B. Lasertherapie, Phytotherapie, Homöopathie, Mykotherapie (TCM), kolloidales Silber, um nur einige Möglichkeiten zu nennen, bewährt und leiteten einen Heilungsprozess ohne die oftmals massiv störenden Nebenwirkungen ein. 

     

    Auricularia und Reishi, zwei wirkungsvolle Heilpilze aus der TCM (Quelle: MykoTroph AG, Limeshain)

     

    Kolloidales Silber - traditionelles Mittel bei Entzündungen und Lasertherapie - bei richtiger Anwendung wirkungsvoll und ohne Nebenwirkungen


    Allerdings sind die Möglichkeiten und Optionen einer Behandlungsmöglichkeit vom Fortschritt und Stadium der Erkrankung abhängig, daher nochmals die dringende Empfehlung frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

     

    Saubere Zähne und gesundes Zahnfleisch - so soll es sein!

     
    Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben können Sie uns gerne ansprechen.

     

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