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Flohzirkus heute

- oder warum diese Plagegeister wieder auf dem Vormarsch sind

 

Noch vor einigen Jahren war Flohbefall bei unseren Haustieren eher selten anzutreffen. Klar auch damals gab es mal den einen oder anderen Befall, aber mit einem gezielten Einsatz von den so genannten „Spot on“ Produkten war der Plage schnell Einhalt geboten.

In jüngster Zeit steigt allerdings die Zahl der Parasitenattacken wieder deutlich an. Wissenschaftler führen diese Entwicklung auf drei Ursachen zurück. 

 

  1. Das mögliche Nahrungspotential für Flöhe ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen,  d. h. es werden heute beispielsweise viel mehr Tiere gehalten als noch vor rund 10 Jahren. 1995 wurden ca. 14,8 Mio. Hunde, Katzen und andere Kleintiere gehalten, 2005 waren es 19,1 Mio., eine rasante Steigerung von rund 30%.
  2. Die klimatischen Verhältnisse haben sich für die meisten Parasiten –und leider auch für Flöhe- stark verbessert, was ihre Population ansteigen lässt.
  3. Bei den Parasiten lässt sich allmählich eine gewisse Resistenz gegen bestimmte Antiparasitika feststellen. So ist mit Fibronil, ein früher 100% iges Flohgift, heute durchaus nicht jeder Floh zu killen. Erfreulicherweise gibt es verschiedene Ausweichmittel, die einer größeren Verseuchung entgegen stehen. 
Oh wie das juckt!!! (Quelle: links: Abuzzo/pixelio.de, rechts: Taira Gadzimski(pixelio.de)

 

Hey, lass uns Flöhe tauschen! (Quelle: Stehie/pixelio.de)


Auch ist es nicht richtig, wenn man meint, dass z. B. Katzenflöhe nur Katzen, Hundeflöhe nur Hunde usw. befallen. Flöhe verhalten sich nicht sehr wirtsspezifisch und wechseln, je nach Notwendigkeit, die Wirtsgattung. Die am häufigsten anzutreffende Flohart ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis), gefolgt durch Ctenocephalides canis (Hundefloh).Seltener hingegen sind Ceratophyllus gallinae (Hühnerfloh), Spilopsyllus cuniculi (Kaninchenfloh) und der Menschenfloh (Pulex irritans). Aber, wie eingangs erwähnt, ein hungriger Katzenfloh wird auch uns Menschen anzapfen, hier siegt der natürliche Überlebenstrieb, der allen Lebewesen gegeben ist.

 

links: Katzenfloh (Ctenocephalides felis), Mitte: Hundefloh (Ctenocephalides canis, rechts: Menschenfloh (Pulex irritans)


Übrigens, nur ausgewachsene Flöhe saugen Blut (...und das so ca. 20-100 Minuten). Die dabei aufgenommene, gewaltige Nahrungsmenge (kann bis das 20 fache des eigenen Gewichtes betragen) wird aber zum großen Teil wieder unverdaut ausgeschieden.

Danach setzt der Paarungstrieb ein, der Wirt wird verlassen und alle 4-8 Tage werden von einem Weibchen rund 25, weißlich aussehende, 0.5 mm lange Eier abgelegt. Die Basis für einen Massenbefall ist nun bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen gelegt.

Die nach 4-12 Tagen schlüpfende Larve (ohne Augen, durchsichtig und borstig) wird auch Drahtwurm genannt. Meist im Tierlager ernährt sich dieser von Flohkot und anderen organischen Bestandteilen. Im Zeitverlauf seiner Entwicklung setzen noch zwei Häutungen ein, bevor sich die gebildete Larve in einen Kokon verpuppt und als fertiger und hungriger Floh entspringt.

Besonders zu beachten ist die äußerst variable Entwicklungszeit vom Stadium der Puppe zum Floh. Bei sehr niedrigen Temperaturen oder fehlenden Wirten kann sich dieser Zeitraum über Monate hinziehen. Dieses ist auch die Erklärung, warum in monatelang verwaisten Zwingern oder anderen Tierhaltungsstätten auf einmal nach Neubezug wieder eine Flohplage eintritt.

Dann sind wieder die typischen Symptome eines Flohbefalles erkennbar, starker Juckreiz mit nervigem Kratzverhalten, rötliche Pusteln, Ekzeme, Hautveränderungen bis hin zu allergischen Reaktionen.

 

Soweit muss man es aber nicht kommen lassen.

 

Zunächst sollte man sein Tier regelmäßig auf Parasitenbefall untersuchen. Dabei sollte das Tier auf einer hellen Unterlage stehen (z. B. weißes Handtuch, weißes Papierblatt o. ä.), dann ordentlich durchwuseln, insbesondere im Nacken- und Halsbereich und die evtl. abgefallenen „Krümel“ kontrollieren. Es ist zweifellos Flohkot, wenn der etwas benässte Krümel beim Verreiben einen rötlich-braunen Strich erzeugt.

Nun sollte parallel das Tier und die Umgebung des Tieres behandelt werden, was aus der oben beschriebenen Floh-Entwicklung nachvollziehbar ist. Nur 1% einer Flohpopulation ist auf dem Tier wieder zu finden, 99% (Eier und Larven) leben außerhalb, was die Bekämpfung nicht einfacher macht. Es gibt sehr viele unterschiedlich wirkende Mittel, welche Tiergruppen-spezifisch sorgsam abgestimmt und richtig dosiert angewendet werden müssen. Leider reagieren manche Tiere teilweise sehr heftig auf bestimmte Wirkstoffe (Hecheln, Muskelzucken, Orientierungsverlust krampfartige  Zuckungen bis hin zum lebensbedrohenden Schock), daher ist es dringend abzuraten, sich ohne medizinischen Rat ein beliebiges Mittel irgendwo zu besorgen und dem Tier zu verabreichen - Sie könnten Ihr Tier ernsthaft schaden.

Sprechen Sie uns hierzu bitte an, um eine für Sie und Ihr Tier verträgliche und individuelle Lösung zu finden.

 

Hilfe, ich glaube ich habe einen Floh gesehen! (Quelle: Toyo/pixelio.de)


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