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Diabetes mellitus bei Nagetieren

Zuckersüße Meerschweinchen, Kaninchen & Co.

 

Süße Nager ? (Quelle: links: Lilo Kapp/pixelio.de, Mitte: Jürgen Hüsmert/pixelio.de, rechts: Sonja Winzer/pixelio.de)


Diabetes ist eine der größten Zivilisationserkrankungen. Weltweit gilt es heute rund 171 Mio. Diabetiker, eine Hochrechnung der WHO prognostiziert für das Jahr 2030 einen Anstieg auf 366 Mio. Erkrankte.

In Deutschland lag der Diabetikeranteil an der Gesamtbevölkerung (Anfang 2000) mit 6,3 Mio. Betroffenen bei ca. 6 %, ebenfalls mit steigender Tendenz.

 

Diese Stoffwechselerkrankung ist auch mit zunehmender Tendenz bei Hunden und Katzen zu beobachten, aber es sind auch kleine Heimtiere wie Meerschweinchen, Kaninchen, Chinchillas, Hamster etc.gefährdet bzw. betroffen. 

Hierzu gibt es relativ wenige Informationen, was zu Verunsicherungen und Fehleinschätzungen bei vielen Haltern dieser Tiere führen kann. Grund genug, dieses Thema mal genauer zu erörtern.

 

Auch exotische Heimtiere können erkranken (Quelle: oben links: J.Junge/pixelio.de, oben rechts: Sabine Geißler/pixelio.de, unten links: Rolf Handke/pixelio.de, unten rechts: Andreas Bender/pixelio.de)


Diabetes mellitus – Kurzdefinition

 

Es handelt sich hier um eine (chronische) Stoffwechselerkrankung, die auf einem absoluten oder relativen Insulinmangel zurückzuführen ist. Einhergehend sind hohe, messbare Blutzuckerwerte (Hyperglykämie). Insulin wird von spezialisierten Zellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert. 

Das Hormon wird dabei dringend benötigt, um die erforderliche Energie in Form von Zucker in die Körperzellen zu bringen. Ohne Insulin kann Zucker nicht in die Körperzellen gelangen und verbleibt zunächst im Blutkreislauf. Ist kein bzw. zu wenig Insulin vorhanden oder liegt eine Insulinresistenz vor, steigt der Blutzuckerspiegel und die Zellen werden nicht ausreichend mit Energie versorgt. Es kommt zu nachhaltigen Störungen des gesamten Stoffwechsels, später zu Organschädigungen.

Diabetes wird üblicherweise in folgende Hauptgruppen (Typen) eingeteilt:

 

Typ 1: Zerstörung/Defekt der Insulin produzierenden Beta-Zellen, welcher zu einem absoluten Insulinmangel führt. Der Anteil dieser Erkrankung ist vergleichsweise gering (früher juveniler Diabetes)

 

Typ 2: Verschiedene Ursachen oder Kombinationen von Insulinresistenz, Hyperinsulinismus, Sekretionsstörungen und relativem Insulinmangel. Der Anteil dieser Erkrankung ist hoch. (früher auch Altersdiabetes)

 

Andere Diabetes Typen: Verschiedene Ursachen, wie z. B. genetisch oder hormonell bedingt. Auch direkte Erkrankungen des Pankreas, der Schilddrüse, Infektionen oder Folgen eines Medikamenteneinsatzes (z. B. Cortison) können Ursache hierfür sein. Dabei kann es sich auch um eine vorübergehende Form von Diabetes handeln (auch als sekundäre Diabetes bezeichnet), welche nach erfolgreicher Behandlung der Ursache (primäre Erkrankung) oftmals wieder verschwindet.

 

Erkrankungen bei Nagetieren

 

Leider gibt es keine durchgängigen Studien oder Untersuchungen, die einen empirischen Hinweis auf Häufigkeit, Art oder Ursache der Erkrankung geben könnten. Lediglich wurden verschiedene Einzeluntersuchungen (z. B. Uni Berlin) durchgeführt, die allerdings zeigten,dass Diabetes bei Meerschweinchen, Kaninchen, Chinchillas, Ratten, Hamstern sowie Mäusen auftreten kann.

 

Ursachen der Erkrankung

 

Die nachfolgenden, möglichen Ursachen (oft in Kombination) sind Grundlage dieser Erkrankung und können je nach Tierart sehr unterschiedlich sein. 

 

  • Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (Entzündung, hervorgerufen durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen u. a.)
  • Stresssituationen
  • Übergewicht, Bewegungsmangel
  • Falsche Ernährung
  • Alter (Insulinresistenz oder Erschöpfung der Inselzellen)
  • Folgeerkrankung durch Medikamentenverabreichung (Störung der Bauchspeicheldrüsenfunktion) 
  • Angeborene, genetische Defekte, Dispositionen
  • Erkrankungen der Schilddrüse (Hypothyreose/Unterfunktion)

 

Adipöse Tiere - oft Diabetes-Kandidaten (Quelle: links: Gosia/pixlio.de, rechts: Christop Lenart/pixelio.de)


Mögliche Symptome und Auffälligkeiten

 

Lebewesen, welche an Diabetes erkranken, zeigen immer bestimmte Auffälligkeiten.

Diese Veränderungen des Verhaltens, der Gewohnheiten, des Gesundheitszustandes oder der Lebensumstände geschehen oftmals langsam über einen bestimmten Zeitraum. 

Es besteht daher die Gefahr, dass man sich an die eintretenden Veränderungen gewöhnt und erst bei fortgeschrittenem Verlauf die Erkrankung wahrnimmt. Das kann jedoch die Möglichkeiten einer erfolgreichen Behandlung sehr einschränken, daher sollten Auffälligkeiten sehr zeitnah mit einem Tiermediziner abgeklärt werden. 

 

  • Deutlich erhöhte Flüssigkeitszufuhr (Polydipsie)
  • Deutlich erhöhter Urinabsatz (Polyurie)
  • Durch den ständigen Energiemangel der Zellen => verstärkte Futteraufnahme mit Heißhunger-Attacken (Polyphagie), später Abmagerung und Appetitmangel.
  • Schlechte Wundheilung, Schwäche des Immunsystems, häufige Sekundärerkrankungen und Infektionen, schlechter Allgemeinzustand
  • Haarverlust (Alopezie), kraftloses, dünnes Fell
  • Abgeschlagenheit, Mattigkeit, große Müdigkeit
  • Schwächeanfälle, Lähmungserscheinungen, Krämpfe, Schwindel, Orientierungslosigkeit, Schockzustände, Koma
  • Verdauungsstörungen (Durchfälle, Erbrechen) 

 

Erhöhtes Trinkverhalten (und Urinabsatz) sind oftmals erste Anzeichen einer Diabetes (Quelle: Dieter Schütz/pixelio.de)


Da neben diesen primären Symptomen noch eine Vielzahl von weiteren sekundären Erkrankungen als Folge von Diabetes auftreten können (welche dann oftmals zum Ableben des Tieres führen), ist eine frühzeitige Behandlung zwingend erforderlich.

 

Dieses bedeutet für den Halter, Veränderungen, die ggf. mit den o. a. (primären) Diabetes-Symptomen sowie den weiter unten beschriebenen (sekundären) Folgeerkrankungen einhergehen, ernst zunehmen und eine Vorstellung bei einem Tiermediziner (z. B. Tierheilpraktiker) vorzunehmen.

Nur durch eine frühzeitige und medizinisch fundierte Therapie sind Diabetes und die möglichen Folgeerkrankungen zu begrenzen und eine für das Tier gute Lebensqualität und –erwartung sicher zustellen.

Da kleine Heimtiere häufig von Kindern gepflegt und gehalten werden, welche kaum in der Lage sind, anfängliche Veränderungen entsprechend zu beurteilen, sollten Eltern und Erziehungsberechtigte regelmäßig die kleinen Vierbeiner beobachten und entsprechend reagieren.

 

Mögliche Erkrankungen als Folge von Diabetes

 

Die nachfolgende Übersicht zeigt häufig auftretende Folgeerkrankungen im Rahmen einer unzureichenden oder nicht erfolgten Behandlung von Diabetes, sie erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. 

 

  • Häufig, verschiedene Infektionserkrankungen, immer wieder kleinere oder auch größere, wiederkehrende Infektionen
  • Herabgesetztes Sehvermögen, Linsentrübungen (Katarakt) bis hin zur vollständigen Erblindung
  • Nachlassende Nierenfunktion, Erkrankungen des Harnapparates
  • Durchblutungsstörungen durch Schäden am Gefäßsystems
  • Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems
  • Deutlich reduzierte Lebenserwartung und Lebensqualität
  • Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes, was sämtliche Stoffwechselprozesse im Körper negativ beeinflusst und lebensbedrohliche Auswirkungen haben kann)
  • Ödembildung, insbesondere kann sich in den Extremitäten (Bein-/Fußbereich) Gewebewasser ansammeln

 

Linsentrübung (Katarakt) oftmals eine Folgeerscheinung von Diabetes


Möglichkeiten einer gesicherten Diagnose 

 

Bestehen Auffälligkeiten (siehe oben), so ist eine umgehende Vorstellung bei einem Tiermediziner notwendig. Um eine gesicherte Diagnose zu erstellen, wird ein Urin- bzw. Bluttest durchgeführt.

Insbesondere zeigt der Fructosaminwert (ein Langzeitwert) den Fortschritt der Erkrankung an. Bei entsprechendem Verdacht sollten ggf. auch andere Parameter untersucht werden wie z. B. T4 (Tyroxin-) Wert.

Aufgrund der ermittelten Blutparameter ist eine seriöse Diagnose möglich, welche die Voraussetzung für eine zielführende Therapie darstellt. Eine regelmäßige und wünschenswerte Kontrolle der Blutzucker-Tageswerte kann mit einem geeigneten Blutzuckermessgerät zu Hause erfolgen.

Die meisten Halter von kleinen Heimtieren scheuen jedoch die erforderliche Blutabnahme, was eine eigenständige Kontrolle der Blutzuckerwerte ausschließt. Alternativ sollte dann zumindest ein regelmäßiger Urintest durchgeführt werden. 

 

Mit genauen Messgeräten ist die Bestimmung des Blutzuckergehaltes möglich (Quelle: Michael Horn/pixelio.de)


Diabetes – ab welchem Wert?

 

Bei größeren Tieren (Kaninchen, Meerschweinchen etc.) können deutliche Überschreitungen der nachfolgenden angegebenen Referenzwerte als Basis für eine Diabetes-Erkrankung angenommen werden. Bei kleinen Tieren (z. B. Hamster, Mäuse) ist ein nicht quantitativer Nachweis über einen Urintest möglich.

 

Normalwerte

Kaninchen:              50-160 mg/dl (-300 mg/dl bei Stress möglich)

Meerschweinchen:   60-125 mg/dl

Chinchilla:                60-120 mg/dl

Degu:                       60-120 mg/dl

Ratte:                       85-135 mg/dl    

 

Möglichkeiten der Behandlung von Diabetes

 

Diabetes ist eine ernst zunehmende Erkrankung, jedoch kein Todesurteil. Die Erkrankung bzw. der Verlauf muss beobachtet und individuell behandelt werden.

Vielfach wird die Meinung vertreten, dass Diabetes immer und grundsätzlich nur durch Zugaben von Insulin (per Injektion) zu behandeln ist.

 

Insulin - ja bei Notwendigkeit, aber nicht als einzigste Therapiemöglichkeit! (Quelle: Gerd Altmann/pixelio.de)


Dieser klassische schulmedizinische Ansatz verfolgt ausschließlich die Behandlung/ Beseitigung des Symptoms „hoher Blutzuckerwert“.

Unter Beachtung eines ganzheitlichen Gesundheitsansatzes (aus der Naturmedizin) ist dieses jedoch nicht ausreichend, da neben hohen Zuckerwerten meist noch eine Vielzahl anderer „Nebenkriegschauplätze“ existieren, welche eine gegenseitige und beschleunigte negative Beeinflussung des Gesundheitszustandes bewirken können.

 

Natürlich ist eine Insulingabe bei einer manifestierten und längeren Diabetes-Erkrankung meist unumgänglich, allerdings gibt es, insbesondere bei anfänglicher Erkrankung, alternative und weniger risikoreiche Therapiemöglichkeiten.

So zeigen homöopathische Therapien oder auch die Phytotherapie oft erstaunliche Ergebnisse.

 

Auf die hierdurch mögliche Chance 

 

  • auf eine Insulingabe ggf. verzichten zu können
  • die erforderliche Dosis ggf. zu minimieren
  • oder zumindest ein zeitliches Hinausschieben der Insulingabe zu versuchen

sollte nicht verzichtet werden. Dieses ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, daher ist eine genaue Anamnese und Fallbetrachtung erforderlich und notwendig.

 

Aber auch wenn eine Insulingabe (täglich, ggf. auch mehrmals täglich) bereits unumgänglich ist, so ist eine begleitende Behandlung im Sinne einer ganzheitlichen Therapie notwendig.

Die externe Zugabe von Insulin ist immer eine, zwar notwendige, aber letztendlich dennoch nur hilfsweise Ersatzlösung. Einige „Nebeneffekte“ müssen leider in Kauf genommen werden, hierfür muss ein individueller Behandlungsplan aufgestellt werden. 

Nur so können Folgeerkrankungen verhindert und eine dauerhafte, akzeptable Lebensqualität sichergestellt werden.

Auch hier bieten sich verträgliche und nicht belastende naturmedizinische Therapien oder kurzzeitige Kuren an.

Fast immer bedingt Diabetes eine Umstellung bzw.Anpassung der Ernährung, insbesondere bei vorbelasteten, adipösen Tieren. 

 

Kraftfutter - nur bedingt bei diabetischen Tieren geeignet (Quelle: Lorenz Rings/Pixelio.de)


Aber auch für den Fall, dass es bereits zu Gewichtsverlust bis hin zur Abmagerung gekommen ist muss eine Futtermittelgabe im Sinne einer Aufbautherapie erfolgen.

Es sind aber auch Überversorgungen unbedingt zu vermeiden, so können z. B. zu hohe Vitamin C Gaben sich zu Oxalsäuren synthetisieren, was sich schädigend auf die Nieren auswirken kann. 

Ebenso wären wassertreibende Futtermittel (z. B. Sellerie, Zucchini, Petersilie, Löwenzahn etc.) nicht geeignet, da bei diabetischen Tieren ohnehin größere Urinausscheidungen möglich sind, was ggf. zu einer gefährlichen Dehydration führen kann. 

 

Kaninchen lieben Löwenzahn - bei Diabetes aber bitte nur in Maßen! (Quelle: links: Knipseline/pixelio.de, rechts: Hartmut910/pixelio.de)
Petersilie - Degus mögen sie, bei Diabetes nicht zu viel geben (Quelle: links: Paul Golla/pxelio.de, rechts: Stephanie Kotz/pixelio.de)
Wassertreibende Futtermittel, z. B. Sellerie und Zuchini, dürfen bei Diabetes nur in geringen Mengen gegeben werden (Quelle: links: Rainer Sturm/pixelio.de, Mitte: Jürgen Hümert/pixelio.de, rechts: Knipseline/pixelio.de)


Die Zusammensetzung eines geeigneten Futters und ggf. notwendiger Ergänzungsstoffe werden ebenfalls unter ganzheitlichen Prämissen bestimmt, auch hier ist die Zuhilfenahme eines entsprechenden Tiermediziners sinnvoll und erforderlich. Ein detaillierter Ernährungsplan mit vielen Tipps und Hinweisen wird in unserer Praxis im Rahmen der Behandlung unserer diabetischen Patienten zu Verfügung gestellt. 

 

Zusammenfassung

 

In einigen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Diabetes durchaus auch bei verschiedenen Nagetieren vorkommen kann. Entscheidend ist eine frühzeitige Diagnose und Einleitung notwendiger Behandlungsmaßnahmen. Hierfür sollte eine regelmäßige Inaugenscheinnahme der/des Tiere(s) sichergestellt werden und bei Auffälligkeiten die Vorstellung bei einem Tiermediziner erfolgen.

Neben der Regulierung der Blutzuckerwerte müssen je nach Krankheitsverlauf und Einzelfall, gefährdete oder beeinträchtigte Organe bzw. Körperfunktionen begleitend behandelt werden.

Auch Tiere mit Diabetes sollen eine gute Lebensqualität und -erwartung haben, dieses ist unser gemeinsames Ziel. 

Voraussetzung hierfür ist eine geeignete und konsequente Behandlung/Pflege der kleinen Fellmonster, was in der gemeinsamen Verantwortung des Tierhalters und behandelnden Mediziners liegt. 

Falls offene Fragen zum Thema Diabetes bestehen sollten – sprechen Sie uns an.

 

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